Zu viel Bildschirmzeit erhöht Kinder-Depressionen
Vier Stunden oder mehr täglich vor Handy, Tablet oder TV erhöhen bei Kindern das Risiko für Angst und Depression um 61 %.
Eine neue US-Studie zeigt deutlich: Kinder und Jugendliche, die täglich viele Stunden vor Bildschirmen verbringen, haben ein erhöhtes Risiko für psychische Probleme. Die Untersuchung basiert auf Daten von über 50.000 jungen Menschen und beleuchtet, wie digitale Medien, Bewegung und Schlaf zusammenwirken und das Wohlbefinden beeinflussen. Dabei wird jedoch klar, dass nicht allein die Bildschirmzeit das Problem ist, sondern vor allem, welche Auswirkungen sie auf den Alltag und die Gesundheit der Kinder hat.
Große Datenbasis
Für die Analyse nutzten die Forschenden das National Survey of Children’s Health 2020–2021. Dabei handelt es sich um eine repräsentative Befragung von Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 17 Jahren in den USA. Die Studie erfasste unter anderem, wie viele Stunden Kinder täglich vor Fernseher, Computer oder Smartphone verbringen, wie regelmäßig sie schlafen, wie viel sie sich bewegen und ob sie psychische Beschwerden zeigen. Die große Zahl an Teilnehmenden und die sorgfältige Erfassung von Alltagsgewohnheiten ermöglichten es, die Zusammenhänge zwischen Bildschirmnutzung und mentaler Gesundheit genau zu untersuchen.
Mehr Screentime, mehr Probleme
Kinder und Jugendliche, die vier oder mehr Stunden täglich vor Bildschirmen verbringen, zeigen häufiger Symptome von Angst und Depression. Besonders auffällig ist der Anstieg der depressiven Symptome: Bei diesen Kindern ist das Risiko um rund 61 % höher als bei Gleichaltrigen mit weniger Bildschirmzeit. Auch Symptome von Angst, Verhaltensauffälligkeiten oder Aufmerksamkeitsproblemen treten deutlich häufiger auf. Die Analysen berücksichtigen Alter, Geschlecht und soziale Faktoren, sodass die Wirkung der Bildschirmzeit auf die Psyche klar erkennbar ist.
Bewegung und Schlaf sind entscheidend
Die Studie zeigt zudem, dass die negativen Auswirkungen der Bildschirmzeit nicht allein durch die Mediennutzung selbst entstehen. Kinder, die viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, bewegen sich im Alltag weniger und schlafen oft unregelmäßig. Viele schlafen insgesamt zu wenig, weil die Bildschirmnutzung Abendroutinen stört. Diese Faktoren tragen entscheidend dazu bei, dass psychische Probleme auftreten. Bewegung und ein regelmäßiger Schlafrhythmus wirken wie ein Puffer gegen die Belastungen durch zu viel Bildschirmzeit. Wer also nur die Zeit vor dem Bildschirm reduziert, ohne die übrigen Alltagsgewohnheiten zu berücksichtigen, verpasst einen wichtigen Teil der Lösung.
Reduzierung der Belastung
Es reicht nicht, Kinder einfach dazu zu bringen, weniger Zeit vor Bildschirmen zu verbringen. Viel wirkungsvoller ist es, gleichzeitig regelmäßige körperliche Aktivität und gesunde Schlafgewohnheiten zu fördern. In einer Zeit, in der digitale Medien immer präsenter werden, sind solche Maßnahmen entscheidend, um psychische Belastungen bei jungen Menschen zu reduzieren. Die Studie zeigt, dass es möglich ist, Wege zu finden, den Alltag so zu gestalten, dass Bildschirmnutzung, Bewegung und Schlaf in ein gesundes Gleichgewicht gebracht werden können. Für Eltern, Schulen und Entscheidungsträger im Gesundheitswesen sind diese Erkenntnisse wichtige Orientierungspunkte.
(red)