Risiken des Meeresspiegels bislang unterschätzt

Aktuelle Forschung zeigt erhebliche Abweichungen zwischen dem berechneten und dem gemessenen Meeresspiegel in vielen Küstenregionen.

05.03.2026 10:07
red04
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Wenn man den tatsächlichen Meeresspiegel zugrunde legt und ein Szenario mit 1 Meter relativer Meeresspiegelerhöhung annimmt, steigen die geschätzten gefährdeten Küstenflächen und -bevölkerungen deutlich.

Neue Forschung zeigt, dass der Meeresspiegel in vielen aktuellen Küstenrisikobewertungen deutlich zu niedrig angesetzt wird. Weltweit gehen Fachstudien häufig davon aus, dass der Meeresspiegel direkt mit einem theoretischen „Geoid“ übereinstimmt – einem Modell der Erdschwere und Erdrotation. Doch echte Messdaten legen nahe, dass der Meeresspiegel im Durchschnitt etwa 0,3 Meter höher liegt als in den meisten Risikoberechnungen angenommen. In manchen Regionen im Indo‑Pazifik ist der Unterschied sogar mehr als 1 Meter.

Bisherige Bewertungen unzureichend

Risikobewertungen für Küstenregionen hängen davon ab, wie genau man zwei Dinge bestimmt: die Höhe des Meeresspiegels und die Höhe des Festlands. Viele Studien verwenden digitale Höhenmodelle, die zwar Geländeformen darstellen, aber nicht korrekt mit lokalen Meeresspiegelmessungen abgeglichen werden. Stattdessen wird oft ein globaler Geoidwert verwendet, der in Gebieten mit schlechter Datenlage große Abweichungen aufweist. Mehr als 99 Prozent der untersuchten Arbeiten zeigten solche methodischen Mängel.

Größere Flächen und mehr Menschen gefährdet

Die Folgen dieser Unterschätzung sind erheblich: Wenn man den tatsächlichen Meeresspiegel zugrunde legt und ein Szenario mit 1 Meter relativer Meeresspiegelerhöhung annimmt, steigen die geschätzten gefährdeten Küstenflächen und -bevölkerungen deutlich. Die Studie zeigt, dass 31–37 Prozent mehr Landfläche und 48–68 Prozent mehr Menschen unter den Pegel fallen würden als bisher angenommen. Insgesamt könnten so 77 bis 132 Millionen Menschen betroffen sein.

Regionale Unterschiede

Die stärksten Abweichungen zwischen angenommenem und gemessenem Meeresspiegel treten vor allem in datenarmen Regionen auf, zum Beispiel in Südostasien. Dort können die Messwerte um bis zu mehr als einen Meter vom Geoid abweichen, was die lokale Gefährdung deutlich erhöht. In Regionen mit dichter Vermessung wie Westeuropa oder den USA sind die Unterschiede dagegen geringer. Die Autoren heben hervor, dass es nicht reicht, nur auf globale Modelle zu setzen. Küstenrisikobewertungen müssten systematisch mit tatsächlichen Meeresspiegelmessungen und aktuellen Geländedaten abgeglichen werden. Nur so lasse sich vermeiden, dass Risiken unterschätzt und falsche politische oder finanzielle Entscheidungen getroffen werden.

(red)

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