Der Preis der fossilen Abhängigkeit

Angriffe auf Energieinfrastruktur im Nahen Osten lassen die Preise steigen – und legen zugleich Europas fossile Verwundbarkeit offen.

10.03.2026 11:33
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Der Preisanstieg ist nicht nur eine kurzfristige Folge eines Krieges – er offenbart auch eine strukturelle Schwäche: Europas anhaltende Abhängigkeit von fossilen Energien.

Der Krieg im Nahen Osten zeigt einmal mehr, wie stark Europas Energieversorgung von geopolitischen Konflikten abhängt. Nachdem Angriffe auf Energieinfrastruktur im Persischen Golf und die zeitweise Schließung der Straße von Hormus die globalen Öl- und Gasströme durcheinandergebracht haben, reagieren auch die Preise an europäischen Tankstellen. In Österreich lag der Durchschnittspreis zuletzt bei rund 1,96 Euro pro Liter Diesel und etwa 1,73 Euro für Superbenzin. Doch der Preisanstieg ist nicht nur eine kurzfristige Folge eines Krieges – er offenbart auch eine strukturelle Schwäche: Europas anhaltende Abhängigkeit von fossilen Energien.

Energie als geopolitische Waffe

Die aktuelle Eskalation zeigt, wie verletzlich die globale Energieversorgung ist. Angriffe auf Raffinerien und Ölinfrastruktur in der Golfregion treffen nicht nur Förderländer, sondern wirken sich unmittelbar auf Märkte weltweit aus. Besonders problematisch ist der Ausfall von raffinierten Produkten wie Diesel und Flugtreibstoff, die bislang in großen Mengen aus dem Nahen Osten nach Europa geliefert wurden. Die Energieberatungsfirma JBC Vienna warnt, dass vor allem dieser Verlust Europa empfindlich trifft. Diesel und Flugtreibstoff gehören zu jenen Produkten, bei denen Europa stärker von Importen abhängig ist als beim Rohöl selbst. Werden Raffinerien beschädigt oder Transportwege blockiert, lassen sich diese Ausfälle nur schwer kurzfristig ersetzen. Auch beim Gas ist die Situation angespannt. Rund 20 Prozent des weltweiten Flüssiggases stammen aus Katar – ein großer Teil davon wird über die Straße von Hormus transportiert. Wenn dieser Transportweg ausfällt oder eingeschränkt wird, steigen die Preise weltweit.

Hohe Ölpreise stärken autoritäre Regime

Steigende Energiepreise haben noch eine weitere geopolitische Dimension: Sie stärken rohstoffreiche Staaten. Russland etwa könnte von Ölpreisen über 100 Dollar pro Barrel massiv profitieren. Die Einnahmen aus Öl und Gas machen einen wichtigen Teil des russischen Staatshaushalts aus und finanzieren damit indirekt auch den Krieg gegen die Ukraine. Damit wird deutlich, dass hohe Ölpreise nicht nur eine wirtschaftliche Frage sind. Sie können politische Machtverhältnisse verschieben und autoritären Regimen zusätzliche Einnahmen verschaffen.

Politische Debatten in Europa

In Österreich und auf EU-Ebene wird derzeit darüber diskutiert, wie auf steigende Energiepreise reagiert werden soll. Während einige Politiker eine Senkung der Mineralölsteuer ins Spiel bringen, fordern andere Eingriffe in die Preisbildung, etwa durch eine Begrenzung der Gewinnmargen von Raffinerien und Mineralölkonzernen. Finanzminister Markus Marterbauer argumentiert, dass vor allem internationale Ölkonzerne und Förderländer von den steigenden Preisen profitieren. Sein Ziel sei daher, Preisspitzen frühzeitig zu begrenzen, um Inflationsschübe wie nach dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 zu vermeiden. Ökonomen warnen allerdings davor, dass staatliche Preisdeckel kurzfristig zwar entlasten könnten, langfristig aber zu Versorgungsproblemen führen könnten.

Eigentlicher Kern des Problems

Aus Perspektive der Nachhaltigkeit greift die Debatte jedoch oft zu kurz. Denn sie konzentriert sich vor allem darauf, wie fossile Energie kurzfristig billiger gemacht werden kann. Die wiederkehrenden Preisschocks zeigen jedoch vor allem eines: Solange Volkswirtschaften stark von Öl und Gas abhängig sind, bleiben sie auch anfällig für Krisen, Konflikte und politische Erpressung. Investitionen in erneuerbare Energien, Energieeffizienz und alternative Mobilitätsformen könnten diese Abhängigkeit langfristig reduzieren. Solar- und Windenergie sind nicht nur klimafreundlicher, sondern auch weniger anfällig für geopolitische Konflikte, da ihre Energiequellen lokal verfügbar sind.

Krise als Chance?

Historisch haben Energiekrisen oft technologische Veränderungen ausgelöst. Die Ölkrisen der 1970er-Jahre führten beispielsweise zu effizienteren Autos und neuen Energiepolitiken. Auch die aktuelle Situation könnte ein Weckruf sein. Wenn steigende Spritpreise politische Aufmerksamkeit erzeugen, könnte das den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen und nachhaltige Mobilität attraktiver machen. Die zentrale Frage ist daher nicht nur, wie teuer Benzin morgen sein wird. Entscheidend ist vielmehr, ob Europa die aktuelle Krise nutzt, um seine Energieabhängigkeit dauerhaft zu verringern.

(red)

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