Überlastete Hirnreaktionen erhöhen Sturzrisiko
Wer zu stark auf Balanceprobleme reagiert, stabilisiert den Körper oft schlechter – besonders im Alter oder bei Parkinson.
Es passiert schnell: ein Stolpern auf dem Bürgersteig, ein unachtsamer Schritt auf glattem Boden – und schon spürt man, wie das Gleichgewicht schwankt. Für junge Menschen ist das meist kein Problem: Muskeln und Gehirn reagieren blitzschnell und halten den Körper wieder stabil. Doch bei älteren Menschen und Menschen mit Parkinson klappt das nicht immer. Neue Forschungsergebnisse, veröffentlicht im Fachjournal eNeuro, geben jetzt Aufschluss darüber, warum der Körper in solchen Momenten oft „zu hart arbeitet“, ohne dass das Gleichgewicht tatsächlich besser wird.
Mehr Aktivität, aber weniger Kontrolle
Wenn wir ins Stolpern geraten, übernehmen zunächst Reflexe im Rückenmark und Hirnstamm die Stabilisierung. Später greift die Großhirnrinde ein, um die Bewegung zu korrigieren. Die Studie zeigt, dass ältere Menschen und Parkinson-Patienten schon bei kleinen Gleichgewichtsproblemen deutlich stärkere Reaktionen im Gehirn und in den Muskeln zeigen – verglichen mit jüngeren Erwachsenen. Überraschend: Diese erhöhte Aktivität führt nicht zu besserer Stabilität. Wer besonders stark reagiert, hat oft größere Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten. Bei Parkinson kommt hinzu, dass Muskeln gleichzeitig angespannt werden, die eigentlich gegensätzlich arbeiten sollten. Diese „Steifigkeit“ erschwert kontrollierte Bewegungen und erhöht das Sturzrisiko.
Alternde Kontrolle
Die Forscher beobachteten, dass ältere Erwachsene und Parkinson-Patienten schon bei kleinen Störungen intensiver reagieren. Die Muskeln arbeiten mehr, doch die Koordination leidet. Der Körper „kämpft“ stärker gegen das Gleichgewichtsproblem, erzielt aber weniger Erfolg. Die Erkenntnisse könnten helfen, gefährdete Personen früher zu erkennen. Künftig könnten Tests, die messen, wie stark Gehirn und Muskeln auf kleine Balance-Störungen reagieren, zeigen, wer von gezieltem Gleichgewichtstraining oder Physiotherapie besonders profitieren würde. Die Forscher betonen jedoch, dass solche Tests noch weiter entwickelt werden müssen, bevor sie im Alltag routinemäßig eingesetzt werden können.
(red)