Europa unvorbereitet auf zunehmende Waldbrände
Luftflotten, Ausrüstung und Fachpersonal reichen nicht aus, um die steigende Bedrohung durch Waldbrände in Europa effektiv zu bekämpfen.
Europa steht vor einer zunehmenden Herausforderung: Die Waldbrandsaison wird länger und intensiver, während die Mittel zur Bekämpfung hinter dem steigenden Bedarf zurückbleiben. Ein aktueller Bericht, der im Rahmen der Aerial Fire Fighting Series: Global Conference and Exhibition in Rom vorgestellt wurde, zeigt, dass viele europäische Länder schlecht auf die wachsende Bedrohung vorbereitet sind. Die Untersuchung wurde im Auftrag des Luftfahrtunternehmens Avincis erstellt.
Rekord-Waldbrandsaison 2025
Laut Bericht führten die Waldbrände im Jahr 2025 zu über 1,03 Millionen Hektar zerstörtem Waldgebiet in der Europäischen Union, dem höchsten jemals verzeichneten Wert. Rund 81 Prozent der Flächenschäden konzentrierten sich auf wenige Länder im Süden Europas. Angesichts dieser Entwicklung wächst der Druck auf Brüssel und die Regierungen der Mitgliedstaaten, bestehende Kapazitäten zu verstärken.
Veraltete und unzureichende Luftflotte
Ein zentrales Ergebnis des Berichts ist die Kritik an der derzeitigen Flotte zur Luftbrandbekämpfung. Diese sei sowohl zu klein als auch veraltet, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Zwar hat das Europäische Parlament 2024 Mittel in Höhe von 600 Millionen Euro bereitgestellt, um insgesamt 22 neue amphibische Löschflugzeuge des Typs DHC-515 zu beschaffen. Diese sollen jedoch erst zwischen 2027 und 2030 geliefert werden, was angesichts der zunehmenden Waldbrandrisiken als zu spätes Signal gewertet wird. Branchenvertreter bemängeln darüber hinaus langwierige bürokratische Verfahren, die den Ausbau der Produktionskapazitäten und die Beschaffung von Flugzeugen zusätzlich verzögern. Der CEO des Herstellers der neuen Flugzeuge wies ausdrücklich auf diese Hürden hin, die nicht nur die Produktion der DHC-515, sondern allgemein von Luftbrandmitteln beeinträchtigten.
Fachkräftemangel verschärft Situation
Neben technischen Engpässen sieht der Bericht ein wachsendes Problem bei der Personaldecke. Die Anforderungen für die Anerkennung ausländischer Pilotenlizenzen durch die europäische Luftfahrtbehörde seien erheblich höher im Vergleich zu anderen Regionen wie den USA oder Australien, was die Rekrutierung von Fachpersonal erschwere. Gleichzeitig trete ein Trend zu höheren Verteidigungshaushalten in vielen Staaten auf, der erfahrene Piloten in militärische Bereiche abziehe.
Forderung nach strategischer Neuorientierung
Die Autoren des Berichts fordern eine strategische Neuausrichtung der europäischen Politik in Richtung nachhaltiger Vorbereitung statt reaktiver Reaktion. Staatliche Investitionen müssten langfristig und umfassender gestaltet werden, um sowohl die Luftflottenkapazitäten als auch Pilotenschulungen und grenzüberschreitende Koordination zu verbessern. Nur so lasse sich aus Sicht der Experten die wachsende Bedrohung durch Waldbrände in einem sich erwärmenden Europa bewältigen.
(PA/red)