Streuobstwiesen zunehmend gefährdet

Streuobstwiesen sind wichtige Lebensräume für zahlreiche Tierarten, doch sie zeigen erhebliche Defizite bei Pflege und Nachpflanzung in Österreich.

02.04.2026 9:40
red04
© Adobe Stock
Während im Jahr 1930 noch rund 35 Millionen Streuobstbäume in Österreich gezählt wurden, lag der Bestand im Jahr 2020 bei etwa 4,2 Millionen.

Streuobstwiesen prägen vielerorts das Landschaftsbild in Österreich. Sie gelten als traditionelle Form der Landnutzung und verbinden Obstbau mit extensiver Bewirtschaftung. Eine aktuelle Studie des Forschungsprojekts „DivMoSt“ zeigt nun, welche ökologische Bedeutung diese Flächen haben – und macht zugleich auf Probleme aufmerksam, die ihren Fortbestand gefährden.

Artenvielfalt auf extensiv genutzten Flächen

Die Untersuchung basiert auf Felderhebungen, die über ganz Österreich verteilt durchgeführt wurden. Die Ergebnisse belegen eine große Vielfalt an Tierarten. Insgesamt wurden 321 Insektenarten nachgewiesen, darunter 225 verschiedene Bienenarten – etwa ein Drittel der in Österreich vorkommenden Arten. Ergänzt wird das Bild durch 65 Tagfalter- und 31 Heuschreckenarten. Auch andere Tiergruppen profitieren von den strukturreichen Flächen. So konnten 23 der 31 in Österreich bekannten Fledermausarten dokumentiert werden. Streuobstwiesen bieten durch ihre Kombination aus Bäumen, offenen Flächen und strukturreichen Elementen wie Totholz geeignete Lebensräume für unterschiedliche Arten. Bei den Vögeln wurden 114 Arten erfasst. Darunter befinden sich typische Bewohner wie Wiedehopf, Wendehals und Gartenrotschwanz, die auf alte Bäume und extensiv genutzte Wiesen angewiesen sind. Insgesamt wurde etwa die Hälfte der regelmäßig vorkommenden Brutvogelarten auf den untersuchten Flächen festgestellt.

Deutlicher Rückgang der Bestände

Trotz ihrer ökologischen Bedeutung sind Streuobstwiesen seit Jahrzehnten rückläufig. Während im Jahr 1930 noch rund 35 Millionen Streuobstbäume in Österreich gezählt wurden, lag der Bestand im Jahr 2020 bei etwa 4,2 Millionen. Die Studie zeigt zudem, dass viele der bestehenden Flächen nicht ausreichend gepflegt werden. Auf 68 Prozent der untersuchten Standorte fehlen Nachpflanzungen oder sind zu gering ausgeprägt. Gleichzeitig werden 63 Prozent der Bäume als unzureichend gepflegt eingestuft. Zusätzliche Herausforderungen ergeben sich durch klimatische Veränderungen. So begünstigen steigende Temperaturen unter anderem die Ausbreitung der Mistel, die Bäume schwächen kann.

Neue Ansätze für die Erfassung

Ein Teil des Projekts widmete sich der Frage, wie Streuobstbestände künftig besser erfasst werden können. Dafür wurde eine Methode entwickelt, die Daten aus Felderhebungen mit digitalen Geländemodellen und Satellitendaten kombiniert. Mithilfe von Verfahren des maschinellen Lernens werden unter anderem Unterschiede im Reflexionsverhalten von Pflanzen analysiert. Dadurch lassen sich Obstbäume von anderen Baumarten unterscheiden. Ziel ist eine möglichst flächendeckende und regelmäßige Bestandsaufnahme. Eine solche Datengrundlage soll helfen, Veränderungen über längere Zeiträume hinweg zu beobachten und Maßnahmen gezielter zu planen.

(PA/red)

Anzeige
Anzeige
Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Themen