Lebenserwartung wächst schneller als Gesundheit
Die weltweite Lebenserwartung steigt weiter an, doch der Anteil der Lebenszeit mit Krankheit und Einschränkungen nimmt ebenfalls zu.
Die weltweite Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen. Gleichzeitig zeigt eine neue Analyse auf Basis der Daten des Global Burden of Diseases, Injuries, and Risk Factors Study (GBD), dass Menschen einen größeren Teil ihres Lebens mit gesundheitlichen Einschränkungen verbringen. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die sogenannte Morbiditätslücke – also der Zeitraum zwischen der gesamten Lebenserwartung und der Zahl der Jahre, die Menschen bei guter Gesundheit verbringen – seit 1990 weltweit größer geworden ist. Während Menschen 1990 durchschnittlich 8,8 Jahre ihres Lebens in einem Zustand mit gesundheitlichen Einschränkungen verbrachten, waren es 2023 bereits 10,7 Jahre. Damit stieg die Morbiditätslücke innerhalb von gut drei Jahrzehnten um 1,9 Jahre beziehungsweise rund 22 Prozent.
Längere gesundheitlichen Probleme
Nicht nur die absolute Zahl der Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen nahm zu. Auch der Anteil der Lebenszeit, der in schlechter Gesundheit verbracht wird, erhöhte sich weltweit. Im Jahr 2023 entfielen durchschnittlich 14,5 Prozent des Lebens auf gesundheitlich beeinträchtigte Jahre. 1990 lag dieser Anteil noch bei 13,6 Prozent. Die Entwicklung zeigte sich in nahezu allen untersuchten Ländern und Regionen. In 203 von 204 Ländern und Gebieten deuteten die Ergebnisse auf eine Zunahme der Morbiditätslücke hin. Die Autoren der Studie sehen darin einen Hinweis darauf, dass Fortschritte bei der Verlängerung des Lebens bislang schneller vorangekommen sind als Verbesserungen bei der Gesundheit im Alter.
Gesundheitliche Belastungen verteilen sich
Die Analyse zeigt außerdem, dass sich die zusätzliche Zeit mit gesundheitlichen Einschränkungen nicht ausschließlich auf die letzten Lebensjahre konzentriert. Stattdessen vergrößerte sich die Morbiditätslücke über verschiedene Altersgruppen des Erwachsenenalters hinweg. Besonders in Ländern mit hoher Lebenserwartung war die Zahl der Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen größer. Diese Staaten weisen häufig auch einen höheren Entwicklungsstand auf. Gleichzeitig war der Zusammenhang zwischen einer hohen Lebenserwartung und dem prozentualen Anteil der Lebenszeit in schlechter Gesundheit weniger eindeutig.
Chronische Erkrankungen prägen Krankheitslast
Die wichtigsten Ursachen für die weltweite Morbiditätslücke sind vor allem Erkrankungen, die selten unmittelbar tödlich verlaufen, aber die Lebensqualität über viele Jahre beeinträchtigen. Besonders häufig tragen Erkrankungen des Bewegungsapparats, darunter vor allem chronische Rückenschmerzen, sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen zur gesundheitlichen Belastung bei. Auch altersbedingter Hörverlust, Verletzungen durch Stürze und weitere nicht übertragbare chronische Erkrankungen spielen eine zentrale Rolle. Zusammen waren diese Krankheitsgruppen im Jahr 2023 für mehr als die Hälfte der weltweit in schlechter Gesundheit verbrachten Jahre verantwortlich.
Prävention in gesunden Lebensjahren
Die Untersuchung zeigt außerdem, dass bestimmte vermeidbare oder beeinflussbare Risikofaktoren einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung haben. Besonders relevant waren erhöhte Nüchternblutzuckerwerte, ein hoher Body-Mass-Index sowie Mangelernährung im Kindes- und Mutteralter.
(red)