Photovoltaik rettet österreichische Juni-Bilanz

Solarstrom kompensierte im Juni Rückgänge bei Wind- und Wasserkraft und ermöglichte wieder Stromexporte.

31.07.2026 13:49
red04
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Nach neun Monaten mit einem Netto-Importsaldo konnte Österreich im Juni erstmals wieder einen Strom-Exportüberschuss verzeichnen.

Der Stromverbrauch in Österreich lag im Juni 2026 leicht über dem Niveau des Vorjahres. In den Kalenderwochen 23 bis 26 stieg der Verbrauch um 2,5 Prozent. Gleichzeitig entwickelte sich die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen unterschiedlich: Während Windkraft und Wasserkraft weniger Strom lieferten, konnte die Photovoltaik deutlich zulegen. Insgesamt blieb die erneuerbare Stromerzeugung nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Gegenüber Juni 2025 ergab sich ein leichter Rückgang von 0,2 Prozent.

Wind- und Wasserkraft mit geringerer Ausbeute

Die Windstromerzeugung ging im Juni 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent zurück. Besonders in der zweiten Monatshälfte war die Produktion aus Windkraft deutlich geringer. Auch die Wasserkraft verzeichnete einen Rückgang. Die Erzeugung lag um 2 Prozent unter dem bereits trockenen Vergleichsmonat Juni 2025. Zudem war die Laufwasserproduktion starken Schwankungen unterworfen: Zu Monatsbeginn bewegte sie sich auf niedrigem Niveau, stieg nach Regenfällen Mitte Juni deutlich an und ging gegen Monatsende wieder zurück. Dabei erreichte sie Werte nahe dem historischen Minimum für einen Juni.

Photovoltaik profitiert von sonnigem Juni

Die geringere Erzeugung aus Wind- und Wasserkraft konnte durch die Photovoltaik ausgeglichen werden. Der Juni 2026 war in Österreich von einer ausgeprägten Hitzewelle, hohen Temperaturen und zahlreichen Sonnenstunden geprägt. Diese Bedingungen führten zu einem Anstieg der PV-Produktion um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die starke Photovoltaik-Erzeugung wirkte sich auch auf die österreichische Stromhandelsbilanz aus. Nach neun Monaten mit einem Netto-Importsaldo konnte Österreich im Juni erstmals wieder einen Strom-Exportüberschuss verzeichnen.

Österreich kehrt zu Stromexporten zurück

Über den gesamten Juni ergab sich in der Regelzone der Austrian Power Grid (APG) ein Exportüberschuss von 218 Gigawattstunden auf Basis der Fahrpläne. Damit lag der Wert nur leicht unter dem Niveau des Vorjahres, als im Juni ein Exportüberschuss von 275 Gigawattstunden erreicht wurde. An 16 Tagen konnte Österreich im Juni bilanziell Strom ins Ausland exportieren. Besonders während Zeiten hoher Photovoltaik-Einspeisung standen ausreichende Strommengen zur Verfügung.

Bundesweiter Energieaustausch gleicht Schwankungen aus

Die starken Unterschiede bei der erneuerbaren Stromerzeugung unterstrichen die Bedeutung des österreichweiten Energieaustauschs. Über das Übertragungsnetz konnten Stromüberschüsse einzelner Bundesländer verteilt und regionale Defizite ausgeglichen werden. Im Juni speisten Niederösterreich mit 267 Gigawattstunden und Tirol mit 258 Gigawattstunden die größten Energiemengen in das APG-Netz ein. Den höchsten Strombezug aus dem Netz verzeichneten Wien mit 490 Gigawattstunden und Kärnten mit 153 Gigawattstunden. Der Austausch zwischen den Regionen ist ein wesentlicher Bestandteil der Versorgungssicherheit, da Erzeugung und Verbrauch nicht immer zeitgleich am selben Ort auftreten.

Netzengpässe erfordern weiterhin Eingriffe

Die schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien stellte das Stromnetz auch im Juni vor Herausforderungen. Im Rahmen des Engpassmanagements waren an 25 Tagen Eingriffe erforderlich, um Netzengpässe zu vermeiden. Das entspricht zwölf Tagen mehr als im Juni des Vorjahres. Durch die Abregelung erneuerbarer Erzeugung gingen im Juni insgesamt 10.105 Megawattstunden Strom verloren. Betroffen war ausschließlich die Laufwasserkraft. Die Kosten für Redispatch-Maßnahmen beliefen sich bis Ende Juni 2026 auf 37,0 Millionen Euro. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 43,5 Millionen Euro.

Flexibilität wird wichtiger für die Energiewende

Die Entwicklung im Juni zeigt die zunehmende Bedeutung flexibler Strukturen im Stromsystem. Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien wachsen die Anforderungen an Netze, Stromhandel, Speicher und Ausgleichsmechanismen. Eine sichere Versorgung basiert zunehmend darauf, Erzeugungsschwankungen auszugleichen: Überschüsse aus erneuerbaren Quellen können exportiert oder innerhalb Österreichs verteilt werden, während Zeiten geringerer Produktion durch Importe und andere Ausgleichsmöglichkeiten überbrückt werden.

(PA/red)

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