Mülltrennung: Jüngere haben Aufholbedarf

Bei Mülltrennung und Abfallvermeidung zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen älteren und jüngeren Generationen.

12.10.2026 10:30
red04
© APA/GEORG HOCHMUTH
Laut Statistik Austria halten sowohl bei den 15- bis 19-Jährigen als auch bei den 20- bis 29-Jährigen mehr als acht von zehn einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz für wichtig.

Beim Thema Mülltrennung weisen die verschiedenen Generationen deutliche Unterschiede auf. Eine Analyse von drei repräsentativen Befragungen aus den Jahren 2025 und 2026 im Auftrag von „Österreich sammelt“ zeigt, dass ältere Menschen häufiger angeben, Abfälle und Verpackungen im Alltag konsequent zu trennen und sich darüber gut informiert zu fühlen. In einer Market-Umfrage aus 2025 gaben 85 Prozent der über 50-Jährigen an, „sehr“ auf die Trennung von Abfall und Verpackungen zu achten. Bei den 16- bis 29-Jährigen waren es 50 Prozent. Auch bei der Abfallvermeidung ist der Abstand deutlich: 67 Prozent der über 50-Jährigen achten laut eigener Angabe „sehr“ darauf, bei den Jüngeren sind es 24 Prozent.

Unterschiede beim Informationsstand

Auch beim eigenen Informationsstand zeigt sich ein ähnliches Bild. 43 Prozent der über 50-Jährigen fühlten sich 2025 „sehr gut“ über das Vermeiden und Trennen von Abfall informiert, bei den 16- bis 29-Jährigen waren es 28 Prozent. Eine Ende 2025 durchgeführte Befragung zur Gelben Tonne und zum Gelben Sack kam zu einem ähnlichen Ergebnis. 49 Prozent der Babyboomer bezeichneten sich als „sehr gut“ informiert, in der Generation Z waren es 29 Prozent. Auch eine aktuelle Umfrage unter Bewohnern von Wohnhausanlagen zeigt die Tendenz: Bei den über 65-Jährigen bewerteten 37 Prozent ihren Informationsstand zur Mülltrennung als „sehr gut“, bei den 16- bis 29-Jährigen waren es 27 Prozent. Die Zahlen lassen allerdings nicht automatisch auf ein geringeres Umweltinteresse jüngerer Menschen schließen. Laut Statistik Austria halten sowohl bei den 15- bis 19-Jährigen als auch bei den 20- bis 29-Jährigen mehr als acht von zehn einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz für wichtig.

Mülltrennung muss erst zur Routine werden

Der Verhaltens- und Klimapsychologe Thomas Brudermann sieht mehrere mögliche Erklärungen für die Unterschiede. Für ältere Generationen seien Abfallvermeidung und Mülltrennung schon früh zentrale Umweltthemen gewesen. Jüngere Menschen würden sich dagegen mit einer größeren Bandbreite an Klima- und Umweltfragen beschäftigen. Gleichzeitig könnten häufigere Veränderungen der Lebenssituation und mehr Mobilität zu Unsicherheiten bei konkreten Trennregeln führen. Auch die Jugendforscherin Natalia Wächter von der Universität Graz verweist auf den Alltag. Junge Menschen müssten Routinen wie die richtige Mülltrennung erst entwickeln. Wenn die Eltern die Abfalltrennung im Haushalt übernehmen, fehle zunächst die eigene Erfahrung. Bei Selbstauskünften zum eigenen Verhalten sei zudem zu berücksichtigen, dass gesellschaftliche Erwartungen die Antworten beeinflussen können. Wie groß dieser Effekt bei den Unterschieden zwischen den Altersgruppen ist, lässt sich aus den Befragungen allerdings nicht ableiten.

(PA/red)

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