Bodenaushub bleibt großes Recyclingproblem

Mehr Recycling und Re-Use könnten im Bau nicht nur Ressourcen und CO2 sparen, sondern teilweise auch Kosten senken.

25.09.2026 12:20
red04
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Mit rund 38 Millionen Tonnen jährlich macht der Bodenaushub 57 Prozent des gesamten österreichischen Abfallaufkommens aus und ist damit der größte einzelne Abfallstrom der Bauwirtschaft.

Die österreichische Bauwirtschaft steht beim Thema Kreislaufwirtschaft noch am Anfang. Eine gemeinsame Untersuchung von Strabag und TU Wien zeigt, wo beim Umgang mit Rohstoffen, Bauabfällen und bestehenden Bauteilen noch erhebliches Potenzial liegt. Gerade angesichts des angestrebten Wegs zur Klimaneutralität bedeutet das für einen der ressourcenintensivsten Wirtschaftsbereiche einen grundlegenden Wandel. „Die österreichische Bauwirtschaft ist noch weit davon entfernt, flächendeckend zirkulär zu bauen“, räumt Strabag-CEO Stefan Kratochwill ein. Die Studie soll eine Grundlage schaffen, um Standards weiterzuentwickeln, regulatorische Rahmenbedingungen anzupassen und den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu beschleunigen. Untersucht wurden unter anderem die Materialströme der österreichischen Bauwirtschaft sowie die Möglichkeiten von Recycling und Wiederverwendung.

Viel Verwertung, aber oft Downcycling

Jährlich fallen in Österreich 49 Millionen Tonnen Bauabfälle an. 78 Prozent der Bau- und Abbruchabfälle werden bereits stofflich verwertet. Ein erheblicher Teil davon wird allerdings downgecycelt und damit nicht wieder in gleichwertiger Form eingesetzt. Hochwertigere Materialkreisläufe könnten laut Studie dazu beitragen, Rohstoffe zu schonen, CO2-Emissionen zu reduzieren und den Druck auf die begrenzten Deponiekapazitäten zu verringern. Gleichzeitig wächst das Materiallager in Gebäuden und Infrastruktur weiter: Rund 77 Millionen Tonnen Baustoffe kommen jedes Jahr hinzu. Pro Einwohner ergibt sich daraus ein „Baustoff-Rucksack“ von etwa 360 Tonnen. TU-Professor Helmut Rechberger sieht deshalb Bedarf an moderneren Recyclingtechnologien, besseren Daten über die Zusammensetzung vorhandener Materialien und entsprechenden Rahmenbedingungen.

Bodenaushub als größter Abfallstrom

Besonders deutlich wird das ungenutzte Potenzial beim Bodenaushub. Mit rund 38 Millionen Tonnen jährlich macht er 57 Prozent des gesamten österreichischen Abfallaufkommens aus und ist damit der größte einzelne Abfallstrom der Bauwirtschaft. Technisch könnten rund 90 Prozent des Materials verwertet werden. Tatsächlich werden derzeit aber nur 21 Prozent stofflich genutzt, während knapp 60 Prozent auf Deponien landen. Ein weiterer Teil wird statistisch weder der Deponierung noch der Verwertung zugerechnet, etwa aufgrund von Lagerveränderungen oder einer anderen Zuordnung im Zuge der Behandlung. Auch bei der bestehenden Verwertung handelt es sich häufig um Downcycling, beispielsweise zur Verwendung als Untergrundfüllung. Die Studie sieht daher vor allem bei den rechtlichen Rahmenbedingungen Handlungsbedarf. Gleichzeitig seien Förderungen für die Entwicklung und Umsetzung neuer Verwertungswege notwendig.

Re-Use könnte Kosten und CO2 sparen

Potenzial sehen die Studienautoren auch bei der Wiederverwendung ganzer Bauteile. Re-Use wird bislang kaum systematisch eingesetzt, könnte aber sowohl Ressourcen als auch Emissionen einsparen. Bei einzelnen untersuchten Projekten wurden CO2-Einsparungen von bis zu 91 Prozent erreicht. Wiedergewonnene Materialien waren teilweise zudem rund 20 Prozent günstiger als neue Produkte. Auch bei den Lebenszykluskosten zeigen die untersuchten Referenzprojekte Möglichkeiten für Einsparungen. Kreislaufoptimierte Gebäude können demnach über ihre gesamte Lebensdauer hinweg geringere Kosten verursachen als konventionelle Bauweisen. Besonders wichtig sei laut TU-Professorin Iva Kovacic die Wiederverwendung tragender Bauteile. Dort würden die größten Materialmengen anfallen und damit auch das größte Potenzial für eine stärkere Kreislaufführung liegen.

(APA/red)

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