EU-Behörde stuft TFA als fortpflanzungsschädlich ein

TFA gilt nach einer neuen Bewertung der EU-Behörde als schädlich für Fruchtbarkeit und ungeborene Kinder.

10.06.2026 15:08
red04
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Die Einstufung stützt sich auf toxikologische Untersuchungen, bei denen in Tierversuchen Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Fortpflanzung und der Entwicklung ungeborener Nachkommen festgestellt wurden.

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat einen wichtigen Schritt bei der Bewertung der Chemikalie Trifluoressigsäure (TFA) gesetzt. Auf Basis eines von deutschen Behörden eingereichten Dossiers wird TFA als fortpflanzungsschädlich eingestuft. TFA gehört zur Gruppe der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), die wegen ihrer außergewöhnlichen Beständigkeit auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden. PFAS werden in zahlreichen Industrie- und Konsumprodukten eingesetzt und bauen sich in der Umwelt nur äußerst langsam ab.

Ergebnisse aus Tierversuchen ausschlaggebend 

Die Einstufung stützt sich auf toxikologische Untersuchungen, bei denen in Tierversuchen Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Fortpflanzung und der Entwicklung ungeborener Nachkommen festgestellt wurden. Nach Angaben des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) wurden diese Effekte allerdings erst bei Konzentrationen beobachtet, die deutlich über den derzeit in der Umwelt gemessenen Werten liegen. Die vorgeschlagene Einstufung beschreibt daher zunächst die grundsätzliche Gefährlichkeit des Stoffes. Sie erlaubt noch keine unmittelbare Aussage darüber, ob die aktuell gemessenen Belastungen tatsächlich ein Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung darstellen. Für die tatsächliche Gefahr ist neben der Stoffeigenschaft auch die Höhe der aufgenommenen Menge entscheidend.

Weit verbreitet in Wasser und Umwelt

TFA entsteht unter anderem als Abbauprodukt bestimmter Pestizide sowie fluorierter Kältemittel. In den vergangenen Jahren wurde die Substanz zunehmend in Oberflächengewässern, Grundwasser und Trinkwasser nachgewiesen. Fachbehörden verweisen darauf, dass die Konzentrationen vielerorts ansteigen. Besonders problematisch ist aus Sicht von Umweltwissenschaftlern, dass TFA nicht nur sehr langlebig, sondern auch äußerst mobil ist. Die Substanz kann sich über Wasserwege großräumig verbreiten und lässt sich mit herkömmlichen Aufbereitungsverfahren nur schwer entfernen. Deshalb wird sie zusätzlich als „sehr persistent und sehr mobil“ (vPvM) eingestuft.

Diskussion über strengere Regulierung

Die neue Gefahreneinstufung könnte weitreichende Folgen für die europäische Chemikalienpolitik haben. Eine harmonisierte Klassifizierung bildet häufig die Grundlage für spätere Regulierungsmaßnahmen und Beschränkungen. Behörden sehen darin einen wichtigen Schritt, um Einträge der Substanz in die Umwelt künftig zu verringern. Umweltorganisationen fordern seit längerem strengere Regeln für PFAS und deren Abbauprodukte. Sie verweisen auf die zunehmende Verbreitung von TFA in Gewässern und Lebensmitteln sowie auf die besondere Langlebigkeit der Substanz. Industrievertreter betonen hingegen, dass die aktuelle wissenschaftliche Bewertung zwischen Gefährlichkeit und tatsächlichem Risiko unterscheiden müsse.

Gesundheitsrisiko derzeit nicht bestätigt

Nach aktuellem Kenntnisstand sehen die zuständigen Behörden keine Hinweise darauf, dass die derzeitige Belastung von Trinkwasser oder Lebensmitteln mit TFA unmittelbar gesundheitsschädliche Auswirkungen verursacht. Gleichzeitig betonen sie, dass die neue Einstufung eine wichtige Grundlage für Vorsorgemaßnahmen darstellt und weitere Untersuchungen erforderlich sind. Die Debatte um TFA verdeutlicht damit ein grundlegendes Problem im Umgang mit PFAS: Viele dieser Stoffe verbleiben über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte in der Umwelt. Auch wenn akute Gesundheitsgefahren nicht unmittelbar nachweisbar sind, wächst der politische Druck, die Freisetzung solcher langlebigen Chemikalien frühzeitig einzudämmen.

(red)

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