Trockenheit belastet Viehwirtschaft

Fehlendes Futter und mangelnde Wasserversorgung stellen Landwirte vor große Herausforderungen und zwingen Betriebe zum Abbau ihrer Tierbestände.

04.08.2026 13:39
red04
© Adobe Stock/Alf Ribeiro
Eine Kuh benötigt bei hohen Temperaturen täglich große Mengen Wasser, was für betroffene Betriebe eine zusätzliche Herausforderung darstellt.

Die anhaltende Rekord-Trockenheit bringt viele Viehhalter in Oberösterreich zunehmend unter Druck. Michael Wöckinger, Abteilungsleiter Tierhaltung in der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, beschreibt die aktuelle Lage als äußerst angespannt. Zahlreiche Betriebe müssen bereits auf eingelagerte Wintervorräte zurückgreifen oder ihre Tierbestände reduzieren, weil Futter und teilweise auch Wasser fehlen. Die Folgen zeigen sich auch am Markt: Durch das größere Angebot an Tieren sinken die Preise für Kühe. Eine Verringerung der Bestände könnte zudem langfristige Auswirkungen auf die Betriebe haben.

Futterernten deutlich unter den Erwartungen

Eine derart außergewöhnliche Situation habe Wöckinger zufolge nur wenige Landwirte bisher erlebt. Besonders betroffen ist die Grünlandwirtschaft, da die ersten beiden Schnitte normalerweise einen großen Teil des Jahresfutterbedarfs abdecken. Heuer seien diese Erträge jedoch bereits im Frühjahr begrenzt gewesen, nachdem im Juni eine erste Trockenheitsphase eingesetzt hatte. Auch mögliche Niederschläge würden die Lage nicht sofort vollständig lösen. Selbst bei Regen sei unklar, ob noch ausreichend Futter in entsprechender Qualität nachwachsen könne. Der Boden sei vielerorts stark ausgetrocknet. Starke Regenfälle könnten von den ausgedörrten Flächen zudem nur schwer aufgenommen werden. Notwendig wären länger anhaltende, gleichmäßige Niederschläge.

Vorräte gehen zur Neige

Einige Betriebe können derzeit noch von Reserven aus dem vergangenen Jahr profitieren, da 2025 ein gutes Futterjahr gewesen sei. Diese Vorräte würden jedoch zunehmend aufgebraucht. Bereits jetzt greifen manche Landwirte auf Futter zurück, das eigentlich für den kommenden Winter vorgesehen war. Fehlt die Futtergrundlage, bleibt vielen Betrieben nur die Möglichkeit, Tiere zu verkaufen und ihre Bestände zu verkleinern. Besonders problematisch sei, dass dabei auch gesunde Tiere abgegeben werden müssten. Für Landwirte sei dies nicht nur eine wirtschaftliche Belastung, sondern auch emotional schwierig.

Sinkende Preise und schwierige Absatzmärkte

Der hohe Angebotsdruck wirkt sich auf die Preise aus. Gleichzeitig sei die Nachfrage schwächer, wodurch der Kuhpreis deutlich unter Druck geraten sei. Auch der bisher wichtige Exportmarkt Schweiz biete derzeit weniger Möglichkeiten, da dort ebenfalls Trockenheit herrsche und die Zahl der Schlachtungen gestiegen sei. Dadurch seien die Importmöglichkeiten reduziert worden.

Auswirkungen könnten noch Jahre spürbar sein

Die Folgen der aktuellen Situation könnten über die kommende Saison hinausreichen. Weniger Tiere in den Ställen bedeuten später auch weniger Nachwuchs, wodurch weitere Auswirkungen auf die Produktion entstehen könnten. Einige Betriebe könnten durch Silomais einen Teil der Probleme abfedern. Allerdings sei auch diese Kultur in manchen Regionen, insbesondere auf flachgründigen Böden, stark geschädigt. Zusätzliches Futter zuzukaufen sei schwierig, da die Preise aufgrund des knappen Angebots steigen. Auch Transporte würden die Kosten erhöhen, während die Qualität von zugekauftem Futter nicht immer gesichert sei.

Auch Schweinehalter betroffen

Die Trockenheit betrifft laut Wöckinger unterschiedliche Betriebsformen. Biobetriebe seien möglicherweise etwas stärker betroffen, da viele von ihnen auf Weidesysteme setzen. Zahlreiche Landwirte holen ihre Tiere bereits von den Almen zurück. Neben dem Futtermangel gibt es regional auch Probleme mit der Wasserversorgung. Eine Kuh benötigt bei hohen Temperaturen täglich große Mengen Wasser, was für betroffene Betriebe eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Auch Schweinehalter könnten die Auswirkungen der Trockenheit noch spüren. Besonders die Entwicklung beim Mais könnte sich auf die Schweineproduktion auswirken, da dieser dort eine wichtige Rolle spielt.

Hilfsmaßnahmen allein lösen das Problem nicht

Die Landwirtschaftskammer bietet auf ihrer Website eine Plattform für Futtermittel an. Eine geforderte Futtermittelbörse könne jedoch nur funktionieren, wenn ausreichend Angebot vorhanden sei. Genau daran fehle es derzeit. Auf politischer Ebene werden laut Wöckinger bereits Unterstützungsmaßnahmen geprüft. Auch Versicherungen oder Zahlungsaufschübe könnten Betrieben helfen. Entscheidend bleibe jedoch die Verfügbarkeit von Futter. Finanzielle Unterstützung könne die Situation nur begrenzt lösen, wenn die notwendigen Ressourcen nicht vorhanden seien.

(APA/red)

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