EU legt Paket für mehr Klimaresilienz vor
Die EU-Kommission will Europa mit neuen Regeln und gemeinsamen Standards besser auf Hitze, Dürren, Hochwasser und Waldbrände vorbereiten.

Die EU-Kommission will Europa besser gegen die Folgen des Klimawandels wappnen. Am heutigen Dienstag präsentierte sie dazu ein Klimaresilienzpaket, das unter anderem eine gemeinsame Referenzkurve für die erwartete Erderwärmung, klare Zuständigkeiten nach Naturkatastrophen und eine Liste mit 100 besonders betroffenen Gebieten vorsieht.
Gemeinsame Grundlage für Klimarisiken
Kommissar Wopke Hoekstra und Kommissionsvizepräsidentin Teresa Ribera verwiesen bei der Präsentation auf aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Demnach könnte die globale Erwärmung bis 2030 bereits 1,5 Grad Celsius gegenüber der vorindustriellen Zeit erreichen. Bis 2050 wird ein Anstieg um durchschnittlich zwei Grad erwartet, bis zum Ende des Jahrhunderts könnten es bis zu drei Grad sein. Europa erwärmt sich laut Kommission etwa doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Mit dem geplanten Klimaresilienzgesetz sollen die EU-Mitgliedstaaten ihre Risiken künftig auf Basis gemeinsamer Annahmen bewerten und ihre Vorsorge entsprechend planen. Welche konkreten Maßnahmen gegen Hitze, Dürre oder Hochwasser ergriffen werden, bleibt weitgehend den einzelnen Ländern überlassen.
100 besonders betroffene Gebiete
Teil des Pakets ist auch die Ausweisung von 100 Gebieten, die besonders stark von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. Für Unternehmen und Privatpersonen soll zudem der European Climate Viewer einen Überblick über die klimatische Situation in ihrer jeweiligen Region geben. Das digitale Instrument soll unter anderem erwartbare Höchsttemperaturen und mögliche Schwachstellen sichtbar machen. Eine weitere geplante Regelung betrifft die Zuständigkeiten nach Naturkatastrophen. Sie sollen rechtlich klarer festgelegt werden, damit nach Ereignissen wie Überschwemmungen oder Waldbränden schneller nachvollziehbar ist, wer für welche Maßnahmen verantwortlich ist.
Klimafolgen verursachen hohe Schäden
„Der heurige Sommer war ein Sommer der Wahrheit. Er hat uns die Auswirkungen des Klimawandels vor Augen geführt“, sagte Hoekstra. Nach Daten des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus war der Sommer in Westeuropa der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch die wirtschaftlichen Folgen nehmen zu. Laut EU-Kommission wurden zwischen 2022 und 2025 klimabedingte Schäden von rund 200 Milliarden Euro verzeichnet. Das entspricht durchschnittlich etwa 50 Milliarden Euro pro Jahr. Bis Anfang September war zudem die von Waldbränden betroffene Fläche in der EU fast doppelt so groß wie im Durchschnitt der Jahre 2006 bis 2025. Schätzungen britischer Wissenschafter zufolge könnten die hohen Temperaturen im Sommer in europäischen Städten rund 50.000 Todesfälle verursacht haben.
(APA/red)