Europas Gebirge könnten Wasserstoffquellen sein
Der Untergrund von Alpen und Pyrenäen könnte eine Quelle für natürlichen Wasserstoff sein und so die Energiewende unterstützen.
Natürlicher Wasserstoff aus dem Untergrund könnte künftig eine Rolle für klimafreundliche Energieversorgung und nachhaltige Mobilität spielen. Eine neue Studie der Universität Lausanne (Unil) und des Helmholtz-Zentrums für Geoforschung sieht insbesondere in den Pyrenäen günstige Bedingungen für die Bildung solcher Vorkommen. Auch die Alpen weisen laut den Forschenden ein „interessantes Potenzial“ auf.
Beitrag zur Energiewende
Nach Einschätzung der Forschenden könnte natürlicher Wasserstoff eine zusätzliche Option für eine emissionsärmere Energieversorgung werden. Wasserstoff gilt unter anderem als möglicher Energieträger für Fahrzeuge und industrielle Anwendungen. Bislang wird Wasserstoff allerdings größtenteils mithilfe fossiler Brennstoffe produziert, was mit hohen CO₂-Emissionen verbunden ist. Natürliche Wasserstoffvorkommen könnten deshalb langfristig eine klimafreundlichere Alternative darstellen. Der Geologe Frank Zwaan von der Universität Lausanne, Erstautor der Studie, erklärte, die Hoffnung bestehe darin, natürliche Wasserstofffelder ähnlich wie Erdöl- oder Erdgaslagerstätten zu entdecken und zu nutzen. Ein kleines Vorkommen wird bereits in Mali verwendet.
Wie Wasserstoff im Gebirge entsteht
Eine wichtige Rolle bei der Bildung des Wasserstoffs spielt die Erosion in Gebirgsregionen. Durch geologische Prozesse gelangt Gestein aus dem Erdmantel näher an die Erdoberfläche. Dieses Gestein enthält Mineralien wie Olivin. Kommt Olivin mit Wasser in Kontakt, wird es in andere Mineralien wie Serpentinit umgewandelt. Bei diesem Prozess, der als Serpentinisierung bezeichnet wird, wird Wasserstoff freigesetzt. Normalerweise befindet sich der Erdmantel mehr als 30 Kilometer tief unter der Erdkruste. Dort sind die Temperaturen für die Wasserstoffbildung zu hoch, außerdem fehlt Wasser. Durch tektonische Bewegungen kann Mantelgestein jedoch in Tiefen von acht bis zwölf Kilometern gelangen. In diesen Bereichen herrschen laut den Forschenden Temperaturen zwischen 200 und 350 Grad Celsius – Bedingungen, die die Bildung von Wasserstoff begünstigen.
Natürliche Speicher im Untergrund
Entlang großer geologischer Verwerfungen kann Wasser in tiefere Gesteinsschichten eindringen und dort die chemischen Prozesse auslösen. Der entstehende Wasserstoff könnte sich anschließend in porösen Gesteinsschichten sammeln, die als natürliche Speicher dienen. Die Forschenden betonen, dass mögliche Lagerstätten endlich wären und sich bei einer Förderung mit der Zeit erschöpfen würden. Dennoch sehen sie in natürlichem Wasserstoff ein mögliches zusätzliches Element für eine nachhaltigere Energieversorgung.
(APA/red)