Europas Wälder stehen vor massiven Verlusten
Hitze, Trockenheit und Stürme setzen den Wäldern Europas stark zu und bedrohen ihre ökologische Funktion.
Der Klimawandel wirkt sich zunehmend negativ auf die Wälder Europas aus. Eine internationale Studie, die im Fachmagazin Science veröffentlicht wurde, zeigt: Selbst bei einer moderaten Erderwärmung bis knapp unter zwei Grad Celsius könnten die jährlichen Waldschäden bis zum Jahr 2100 deutlich zunehmen. Derzeit sind durchschnittlich etwa 180.000 Hektar Wald pro Jahr von Bränden, Stürmen und Schädlingsbefall betroffen; bis zum Ende des Jahrhunderts könnte diese Zahl auf etwa 216.000 Hektar steigen. Unter einem stärkerem Erwärmungsszenario mit anhaltend hohen Treibhausgasemissionen lässt sich ein noch gravierenderer Anstieg erwarten: In diesem Worst‑Case‑Fall könnten sich die geschädigten Waldflächen bis 2100 auf nahezu 370.000 Hektar pro Jahr mehr als verdoppeln.
Zunehmende Schäden
Die Hauptursachen für die verstärkten Waldschäden liegen in klimatischen Veränderungen und ihren Folgen. Wärmere Temperaturen, längere Trockenperioden und häufiger auftretende Extremwetterereignisse begünstigen das Auftreten und die Ausbreitung von Waldbränden sowie die Anfälligkeit der Bäume gegenüber Stürmen und Schädlingen wie dem Borkenkäfer. Diese Faktoren wirken nicht isoliert, sondern verstärken sich gegenseitig: Trockenheit schwächt Bäume und macht sie anfälliger für Käferbefall, schwache Bestände sind wiederum leichter durch Windwurf zu zerstören. Gleichzeitig begünstigen höhere Temperaturen das Feuer‑ und Schädlingsrisiko.
Regionale Unterschiede in Europa
Die Studie weist darauf hin, dass vor allem Wälder in Süd‑ und Westeuropa von den negativen Auswirkungen des Klimawandels stark betroffen sein dürften. Dort wird mit deutlich höheren Schäden gerechnet als in nördlichen Regionen. Nordeuropa könnte zwar insgesamt weniger stark betroffen sein, doch auch dort sind lokal erhöhte Risiken zu erwarten. Innerhalb einzelner Länder sind die Folgen bereits spürbar. So zeigen etwa Waldflächen in Mitteleuropa bereits jetzt vermehrte Schäden durch kombinierte Klimaeffekte und Schädlingsbefall.
Kohlenstoffspeicherung und Klima
Ein bedeutender Aspekt der Waldentwicklung unter dem Klimawandel betrifft die Rolle der Wälder als Kohlenstoffsenke. In gesunden Wäldern wird über Photosynthese CO₂ aus der Atmosphäre gebunden und im Holz gespeichert. Steigende Schäden können diese Funktion verringern oder umkehren, wenn bei Bränden und Absterben gespeichertes CO₂ wieder freigesetzt wird. Sinkende Kohlenstoffspeicherung in Wäldern würde den Druck auf andere Wirtschaftssektoren erhöhen, ihre Emissionen schneller zu reduzieren, um die Klimaziele zu erreichen.
(red)