Geschlechtskrankheiten auf Höchststand in Europa
In mehreren europäischen Ländern werden aktuell so viele sexuell übertragbare Infektionen registriert wie noch nie zuvor.
In Europa steigen die Zahlen sexuell übertragbarer Infektionen seit Jahren – zuletzt aber besonders stark. Vor allem Gonorrhoe (Tripper) und Syphilis erreichen inzwischen Werte, die deutlich über früheren Höchstständen liegen. In mehreren Ländern wurden 2024 die höchsten Fallzahlen seit Beginn der systematischen Erfassung gemeldet. Auch im deutschsprachigen Raum zeigt sich dieser Trend klar. Gesundheitsbehörden berichten von steigenden Diagnosen, unter anderem in Österreich und Deutschland. Besonders in größeren Städten fällt der Anstieg deutlich aus.
Besonders betroffen
Grundsätzlich kann sich jeder anstecken, der ungeschützten Sex hat. Die Daten zeigen aber Muster: Häufig betroffen sind junge Erwachsene und Menschen mit wechselnden Sexualpartnern. Bei Syphilis und Gonorrhoe werden zudem überdurchschnittlich viele Fälle bei Männern diagnostiziert, die gleichgeschlechtlichen Sex haben. Gleichzeitig beobachten Fachleute auch bei älteren Menschen mehr Infektionen als früher. Gründe dafür sind unter anderem neue Partnerschaften nach Trennungen und ein insgesamt offeneres Sexualverhalten im höheren Alter.
Gründe für den Anstieg
Die Ursachen für die steigenden Zahlen sind vielschichtig und lassen sich nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen. Ein wichtiger Punkt ist der Rückgang der Kondomnutzung in bestimmten Bevölkerungsgruppen, was die Übertragung von Infektionen erleichtert. Hinzu kommt, dass Dating-Apps und digitale Plattformen den Kontakt zu neuen Sexualpartnern deutlich vereinfachen und beschleunigen. Gleichzeitig führen verbesserte Testmöglichkeiten und eine höhere Bereitschaft zur Diagnostik dazu, dass mehr Fälle überhaupt erkannt und gemeldet werden. Bei Gonorrhoe kommt zusätzlich eine zunehmende Antibiotikaresistenz hinzu, die Behandlungen erschweren kann und damit indirekt die Verbreitung begünstigt.
Gesundheitliche Folgen und Risiken
Viele dieser Infektionen verlaufen zunächst unbemerkt oder mit nur milden Symptomen, was die Weiterverbreitung begünstigt. Unbehandelt können sie jedoch ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Dazu zählen etwa Unfruchtbarkeit, chronische Entzündungen im Unterleib oder bei fortgeschrittener Syphilis auch Schäden an Herz, Gehirn und Nervensystem. Besonders kritisch ist die Übertragung während der Schwangerschaft, da es zu einer angeborenen Syphilis kommen kann, die beim Neugeborenen schwere Schäden verursachen oder sogar tödlich enden kann. Gesundheitsbehörden sehen diese Entwicklung mit besonderer Sorge, da sie in den vergangenen Jahren ebenfalls zugenommen hat.
Möglichkeiten der Eindämmung
Trotz der steigenden Zahlen gilt die Situation grundsätzlich als gut beeinflussbar. Zentral bleibt der konsequente Gebrauch von Kondomen, da er das Risiko einer Übertragung deutlich senkt. Ebenso wichtig ist die regelmäßige Durchführung von Tests, insbesondere bei häufig wechselnden Partnern oder neuen Beziehungen. Früh erkannte Infektionen lassen sich in den meisten Fällen gut behandeln und verhindern weitere Ansteckungen. Eine Herausforderung bleibt jedoch, dass viele Betroffene lange keine Symptome bemerken und sich deshalb nicht testen lassen.
Ein sich fortsetzender Trend
Die aktuellen Rekordwerte stehen nicht isoliert, sondern fügen sich in einen längerfristigen Trend ein. Bereits seit mehreren Jahren steigen die Fallzahlen sexuell übertragbarer Infektionen in Europa kontinuierlich an, unterbrochen nur durch einen temporären Rückgang während der Corona-Pandemie, als soziale Kontakte insgesamt reduziert waren. Der derzeitige Stand zeigt jedoch, dass gleich mehrere Infektionen gleichzeitig neue Höchstwerte erreichen, was von Fachleuten als deutliches Warnsignal gewertet wird.
(red)