Klimaschäden könnten Staatsschulden erhöhen
Ohne zusätzliche Maßnahmen gegen die Klimakrise könnten Klimaschäden die öffentlichen Finanzen in Europa stark belasten.
Die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels könnten die öffentlichen Finanzen stärker belasten als bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der Denkfabrik New Economics Foundation. Demnach könnten Klimaschäden die Staatsschuldenquote in Österreich langfristig deutlich stärker ansteigen lassen, wenn keine zusätzlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise gesetzt werden.
Anstieg der Schuldenquote
Laut der Untersuchung könnte die österreichische Staatsschuldenquote bis zum Jahr 2050 um rund 60 Prozentpunkte höher ausfallen als in aktuellen Prognosen angenommen, falls keine weiteren Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Bis 2070 könnte der Unterschied sogar rund 200 Prozentpunkte betragen. Für die gesamte Europäische Union zeichnet die Analyse ein ähnliches Bild. Ohne zusätzliche Investitionen zur Bekämpfung der Klimakrise könnte die Schuldenquote im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt bis 2050 um etwa 58 Prozentpunkte steigen. Bis 2070 wäre ein Anstieg von rund 197 Prozentpunkten möglich.
Frühe Investitionen
Werden Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen früher umgesetzt, könnte sich der Anstieg der Staatsschulden laut Studie deutlich abschwächen. In diesem Szenario würde die Schuldenquote in Österreich bis 2050 um rund 28 Prozentpunkte über den bisherigen Prognosen liegen, bis 2070 um etwa 52 Prozentpunkte. Im günstigsten Szenario, bei dem es global gelingt, die Erderwärmung auf 1,6 Grad zu begrenzen, könnte die Schuldenquote in Österreich laut Analyse sogar niedriger ausfallen als derzeit erwartet. Demnach läge sie bis 2050 etwa fünf Prozentpunkte unter den offiziellen Prognosen, bis 2070 rund 27 Prozentpunkte darüber.
Klimaschäden belasten Wirtschaft
Als Grund für die möglichen finanziellen Belastungen nennt die New Economics Foundation die wirtschaftlichen Auswirkungen von Klimaschäden. Diese könnten die Produktivität sowie zentrale Bereiche der Wirtschaft beeinträchtigen, darunter Infrastruktur, Landwirtschaft, Verkehr und Energieversorgung. Durch solche Schäden würden sowohl das Bruttoinlandsprodukt als auch die Steuereinnahmen sinken. Gleichzeitig könnten die Kosten für Reparaturen und Anpassungsmaßnahmen steigen, was zusätzlichen Druck auf die öffentlichen Haushalte ausüben würde.
Empfehlungen an EU und Mitgliedstaaten
Die Denkfabrik empfiehlt der EU und den nationalen Regierungen, die finanziellen Folgen des Klimawandels stärker in ihre offiziellen Finanzprognosen einzubeziehen. Zudem sollten bestimmte klimabezogene Investitionen von den geltenden fiskalpolitischen Regeln ausgenommen werden. Dazu zählen etwa Projekte zur Dekarbonisierung, zur Modernisierung der Stromnetze sowie Investitionen in erneuerbare Energien und Wärmepumpen. Ein ähnlicher Ansatz wird derzeit bereits bei Verteidigungsausgaben angewendet. Darüber hinaus schlägt die Analyse vor, auf EU-Ebene eine dauerhafte Fazilität zur Stärkung der Klimaresilienz einzurichten, über die gemeinsame Kredite aufgenommen werden könnten. Auch der bestehende Solidaritätsfonds der EU sollte demnach ausgebaut werden.
(APA/red)