Klimaszenarien bewertet: Entwarnung bleibt aus

Neue Klimamodelle gelten zwar als realistischer, zeigen aber weiterhin eine gefährliche Erderwärmung mit potenziell gravierenden Folgen.

20.05.2026 11:23
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Forschende haben ihre Klimaszenarien zur zukünftigen Erderwärmung überarbeitet und dabei insbesondere das bisher extremste „Worst-Case“-Szenario angepasst. Hintergrund sind neue Entwicklungen, vor allem der deutlich günstigeren und schneller wachsenden erneuerbaren Energien, die das ungebremste Wachstum fossiler Energieträger zunehmend unwahrscheinlich machen.

Ein internationales Forschungsteam im Rahmen des World Climate Research Programme kommt in einem Fachbeitrag zu dem Schluss, dass die bislang angenommenen maximalen Emissionspfade in dieser Form kaum noch realistisch sind. Dennoch warnen die Autoren ausdrücklich vor falschen Schlussfolgerungen: Die Klimakrise bleibe ernst und gefährlich.

Der niederländische Hauptautor Detlef van Vuuren erklärt, dass der technologische Fortschritt und die sinkenden Kosten erneuerbarer Energien wie Solar- und Windkraft dazu geführt haben, dass der Einsatz fossiler Energien weniger stark steigen dürfte als früher angenommen. Zwar gebe es politische und wirtschaftliche Fortschritte im Klimaschutz, diese reichten jedoch nicht aus, um die Erderwärmung wirksam zu begrenzen.

Im aktualisierten Szenario wird weiterhin von einer globalen Erwärmung von rund 3,5 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 ausgegangen. Zum Vergleich: Frühere Berechnungen, etwa vom Deutscher Wetterdienst, kamen noch auf deutlich über vier Grad im Extremfall. Fachleute betonen jedoch, dass selbst die neuen Werte mit erheblichen Risiken verbunden sind.

Auch der Klimaforscher Niklas Höhne vom New Climate Institute warnt davor, die Anpassung als Entwarnung zu interpretieren. Die wissenschaftlichen Einschätzungen zu den Folgen eines bestimmten Temperaturanstiegs seien heute sogar besorgniserregender als noch vor einem Jahrzehnt, insbesondere im Hinblick auf mögliche Kipppunkte, die abrupte und schwer kontrollierbare Veränderungen im Klimasystem auslösen könnten.

Laut dem United Nations Environment Programme (UNEP) steuert die Welt weiterhin auf eine Erwärmung von etwa 2,8 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts zu. Die Folgen wären weltweit massiv – darunter häufigere Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und Waldbrände.

Die Anpassung der Szenarien bedeutet daher keine Entwarnung, sondern eine Präzisierung der Erwartungen. Der Forscher Johannes Emmerling vom European Institute on Economics and the Environment betont, dass sich die Wissenschaft nicht korrigieren müsse, sondern vielmehr auf technologische und politische Veränderungen reagiere, die bestimmte Extremannahmen weniger wahrscheinlich machen.

Gleichzeitig steigen die globalen Treibhausgasemissionen weiter an. Dadurch könnte die Erde selbst unter optimistischeren Annahmen kurzfristig deutlich stärker erwärmt werden als das 1,5-Grad-Ziel vorsieht. Fachleute sehen daher neben der Emissionsreduktion zunehmend auch die Notwendigkeit, Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels und zur aktiven CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre auszubauen.

APA/Red.

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