Klimawandel kostet Italien Milliarden
Der Klimawandel verursacht in Italien Schäden in Milliardenhöhe und belastet zunehmend Wirtschaft, Energieversorgung und Infrastruktur.

Der Klimawandel führt in Italien zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden. Nach Angaben des Handwerkerverbands Confartigianato, der sich auf Daten der Europäischen Umweltagentur (EEA) beruft, entstehen dem Land dadurch durchschnittliche Verluste von 7,5 Milliarden Euro pro Jahr. Zwischen 2015 und 2024 beliefen sich die durch Extremwetterereignisse verursachten Schäden auf insgesamt 74,7 Milliarden Euro. Damit gehört Italien innerhalb der Europäischen Union zu den Ländern mit besonders hohen klimabedingten wirtschaftlichen Belastungen.
Schäden pro Einwohner
Auch bei den Verlusten je Einwohner liegt Italien deutlich über dem europäischen Mittelwert. Mit 1.254 Euro pro Kopf übersteigen die Schäden den EU-Durchschnitt von 762 Euro. Im Vergleich zu Deutschland, Spanien und Frankreich weist Italien höhere Pro-Kopf-Verluste auf und belegt innerhalb der EU den dritten Rang. Confartigianato sieht in den Folgen des Klimawandels eine zunehmende Belastung für Unternehmen. Extremwetter, Dürren, Wasserknappheit und Waldbrände könnten sich demnach auf die Wettbewerbsfähigkeit, die Energieversorgung und industrielle Produktionsprozesse auswirken.
Investitionen in Wasserinfrastruktur
Der Verband fordert verstärkte Investitionen in die Wasserinfrastruktur sowie schnellere Maßnahmen zur Anpassung an die veränderten klimatischen Bedingungen. Besonders die zunehmende Trockenheit stellt Italien vor wachsende Herausforderungen. Auch die Waldbrandgefahr hat sich zuletzt verschärft. Nach Auswertungen des italienischen Umweltinstituts Ispra wurden 2025 insgesamt 12.306 Hektar Wald durch Großbrände erfasst. Das entspricht einem Anstieg von 19,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 71 Prozent der betroffenen Flächen lagen in den Regionen Sizilien, Kalabrien und Kampanien.
Trockenheit beeinflusst Energieversorgung
Die anhaltende Wasserknappheit wirkt sich zudem auf die Stromerzeugung aus. Nach Angaben des italienischen Netzbetreibers Terna ging die Wasserkraftproduktion im Juni 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 23,7 Prozent zurück. Neben klimatischen Faktoren bestehen auch strukturelle Probleme bei der Wasserversorgung. Laut dem Statistikamt Istat gingen im Jahr 2022 rund 42,4 Prozent des in die Leitungsnetze eingespeisten Wassers durch undichte Stellen verloren, bevor es Haushalte oder Unternehmen erreichte.
Wasserabhängige Branchen besonders betroffen
Von den Auswirkungen sind insbesondere wasserintensive Wirtschaftsbereiche betroffen. In den zehn Branchen mit dem höchsten Wasserverbrauch arbeiten rund 117.000 Unternehmen mit insgesamt 1,346 Millionen Beschäftigten. Auch das Handwerk ist in diesen Bereichen vertreten: Knapp 68.800 Handwerksbetriebe mit etwa 284.000 Beschäftigten gehören zu den betroffenen Unternehmen.
(APA/red)