Klimawandel verlangsamt die Erdrotation
Satelliten zeigen, dass die Erdrotation durch Eisschmelze und Wasserumlagerung messbar gebremst wird – ein Effekt des Klimawandels.
Der Klimawandel wirkt längst nicht nur auf Wetter und Temperatur. Wissenschaftler zeigen nun, dass er auch die Erdrotation messbar beeinflusst. Durch das Schmelzen der Polkappen und die Umlagerung großer Wassermengen verlängert sich der Kalendertag um wenige Millisekunden. Die internationale Studie, veröffentlicht im Fachjournal PNAS, analysierte Satellitendaten und geophysikalische Modelle. Sie belegt, dass die Verschiebung von Masse auf der Erde die Rotationsgeschwindigkeit verlangsamt – ein Effekt, der zwar klein ist, aber eindeutig nachweisbar.
Vom Eis zur Rotation
Wenn Wasser und Eis vom Pol in Richtung Äquator wandern, entfernt sich die Masse von der Rotationsachse, wodurch die Erde langsamer rotiert. Das Prinzip ähnelt dem einer Eiskunstläuferin, die ihre Arme während einer Pirouette ausstreckt: Die Drehgeschwindigkeit nimmt ab. Traditionell wurde die Erdrotation vor allem durch die Gezeitenreibung des Mondes beeinflusst. Die neuen Berechnungen zeigen jedoch, dass die vom Menschen verursachten Massentransporte künftig eine ebenso große oder sogar größere Rolle spielen könnten.
Millisekunden mit Bedeutung
Für den Alltag sind solche Abweichungen kaum spürbar. Für Satellitennavigation, präzise Zeitmessung und Raumfahrtmissionen hingegen sind sie relevant. Schon minimale Veränderungen der Erdrotation können bei interplanetaren Missionen zu erheblichen Abweichungen führen. Die Ergebnisse verdeutlichen, wie umfassend der Einfluss des Menschen auf natürliche Systeme geworden ist. Selbst die Rotation der Erde, einst als konstant gedacht, wird inzwischen durch den Klimawandel beeinflusst – ein Beleg dafür, dass die Folgen menschlichen Handelns bis in fundamentale physikalische Prozesse reichen.
(red)
