Mikroplastik ist Risikofaktor in Atmosphäre

Mikro- und Nanoplastik kommt weltweit in der Atmosphäre vor und könnte dort bislang unterschätzte klimatische Effekte haben.

05.05.2026 15:57
red04
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Mikro- und Nanoplastik gelangen durch verschiedene Prozesse in die Luft.

Mikro- und Nanoplastik sind längst nicht mehr nur ein Problem der Ozeane oder Böden. Eine neue Studie in Nature Climate Change zeigt, dass diese winzigen Kunststoffpartikel weltweit auch in der Atmosphäre vorkommen und dort möglicherweise eine bislang unterschätzte Rolle im Klimasystem spielen. Die Arbeit erweitert damit den Blick auf Plastikverschmutzung um eine weitere Dimension: Neben ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen könnten auch physikalische Effekte in der Atmosphäre relevant sein.

Verbreitung bis in abgelegene Regionen

Die Ergebnisse bestätigen, dass Mikro- und Nanoplastik durch verschiedene Prozesse in die Luft gelangen. Dazu zählen unter anderem Windverfrachtung von Oberflächen, Meeresaerosole sowie industrielle Emissionen. Einmal in der Atmosphäre, können die Partikel über große Entfernungen transportiert werden. Bemerkenswert ist dabei, dass sie nicht nur in urbanen oder industriellen Gebieten vorkommen, sondern auch in entlegenen Regionen nachweisbar sind. Das deutet auf eine globale Verteilung hin, die mit anderen atmosphärischen Partikeln vergleichbar ist.

Wechselwirkungen mit Sonnenstrahlung

Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage, wie sich diese Partikel physikalisch in der Atmosphäre verhalten. Mikro- und Nanoplastik kann mit Sonnenlicht interagieren, indem es Strahlung streut oder absorbiert. Welche Wirkung überwiegt, hängt von Eigenschaften wie Größe, Form und Materialzusammensetzung ab. Damit ähneln die Partikel anderen Aerosolen, die bereits als klimawirksam gelten. Allerdings ist die Datenlage für Kunststoffpartikel noch deutlich dünner, weshalb ihre genaue Bedeutung für den Strahlungshaushalt der Erde bislang schwer abzuschätzen ist.

Kaum in Klimamodellen berücksichtigt

Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist, dass Mikroplastik in der Atmosphäre bisher kaum in Klimamodelle einbezogen wurde. Obwohl die physikalischen Grundlagen für mögliche Effekte bekannt sind, fehlen systematische Daten zu Konzentrationen, Verteilung und optischen Eigenschaften. Die Studie macht deutlich, dass hier eine Lücke in der Klimaforschung besteht, die für eine präzisere Modellierung des Klimasystems relevant sein könnte.

Forschungsbedarf bleibt groß

Die Autoren betonen, dass die bisherigen Erkenntnisse vor allem eine erste Einordnung darstellen. Ob Mikro- und Nanoplastik einen messbaren Beitrag zur globalen Erwärmung oder Abkühlung leistet, ist derzeit noch offen. Für zukünftige Arbeiten wird daher vor allem wichtig sein, Emissionsquellen besser zu erfassen, die atmosphärische Lebensdauer der Partikel zu bestimmen und ihre Wechselwirkungen mit Strahlung genauer zu quantifizieren.

(red)

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