Österreicher setzen weiter auf erneuerbare Energien
Trotz steigender Kosten bleibt die Akzeptanz für Photovoltaik, Speicher und E-Mobilität in Österreich hoch, geht aber leicht zurück.

Die Energiewende ist längst kein abstraktes Zukunftsprojekt mehr, sondern betrifft viele Menschen ganz konkret – auf dem eigenen Dach, im Heizungskeller oder bei der Frage nach dem nächsten Auto. Eine aktuelle Studie zeigt nun: Die Zustimmung zu erneuerbaren Energien in Österreich bleibt hoch, auch wenn sie im Vergleich zu den Vorjahren leicht zurückgegangen ist.
Hohe Akzeptanz trotz Teuerung
Die Untersuchung wurde von Deloitte Österreich gemeinsam mit der Universität Graz und Wien Energie durchgeführt. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von rund 1.000 Personen. Das zentrale Ergebnis: Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung befürworten weiterhin den Ausbau erneuerbarer Energien – selbst dann, wenn entsprechende Projekte in der eigenen Wohnumgebung entstehen. Zwar ist die Zustimmung im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken, sie bewegt sich jedoch weiterhin auf einem stabil hohen Niveau. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten ist dieses Ergebnis ein Erfolg. Die Teuerung hat viele Haushalte finanziell belastet, dennoch bleibt die Bereitschaft, in nachhaltige Energielösungen zu investieren, groß.
Photovoltaik bleibt erste Wahl
Besonders hoch ist die Akzeptanz bei Photovoltaik-Anlagen. Ein erheblicher Anteil der Befragten hat bereits in eine eigene Anlage investiert. Ausschlaggebend sind vor allem langfristige Kosteneinsparungen, der Wunsch nach größerer Unabhängigkeit vom Energiemarkt sowie ökologische Überzeugungen. Parallel dazu steigt die Bedeutung von Stromspeichern. Immer mehr Haushalte kombinieren ihre Photovoltaikanlage mit Batteriespeichern, um selbst erzeugten Strom flexibler nutzen zu können. Der Trend deutet darauf hin, dass die Energiewende zunehmend als integriertes System gedacht wird – nicht nur als einzelne Maßnahme.
Strukturmaßnahmen gewinnen an Bedeutung
Neben der Stromerzeugung rücken auch strukturelle Maßnahmen stärker in den Fokus. Dazu zählen etwa thermische Sanierungen oder der Umstieg auf alternative Heizsysteme. Viele Haushalte reagieren damit auf hohe Energiepreise und versuchen, ihren Verbrauch dauerhaft zu senken. Zudem wächst das Interesse an gemeinschaftlichen Energielösungen. Energiegemeinschaften und Beteiligungsmodelle werden zunehmend als Möglichkeit wahrgenommen, Kosten zu teilen und regionale Wertschöpfung zu stärken.
Neue Dynamik bei E-Mobilität
Auch im Mobilitätsbereich zeigt die Studie eine interessante Entwicklung. Nach einem deutlichen Rückgang des Interesses im Vorjahr steigt die Bereitschaft zum Kauf eines Elektroautos wieder an. Als wichtigste Motive werden niedrigere Betriebskosten und Klimaschutz genannt. Förderungen spielen zwar weiterhin eine Rolle, sind aber weniger ausschlaggebend als noch vor einigen Jahren. Für eine nachhaltige Belebung des Marktes, so die Studienautorinnen und -autoren, seien vor allem wettbewerbsfähige Preise und attraktive Modelle im mittleren Preissegment entscheidend.
Energiewende gesellschaftlich verankert
Insgesamt zeichnet die Studie ein differenziertes Bild: Die anfängliche Euphorie früherer Jahre hat sich etwas abgeschwächt, doch die grundsätzliche Unterstützung für erneuerbare Energien ist weiterhin breit verankert. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten bleibt die Mehrheit der Österreicher überzeugt, dass der Umbau des Energie- und Mobilitätssystems notwendig ist. Die Energiewende ist damit weniger ein kurzfristiger Trend als vielmehr ein langfristiger gesellschaftlicher Prozess – getragen von pragmatischen Überlegungen ebenso wie von ökologischer Verantwortung.
(red)