Österreichs Stromsystem: stabil, aber wetterabhängig

Österreichs Stromversorgung bleibt gesichert, doch Wetterabhängigkeit und Preise machen Speicher und Netzausbau entscheidend.

17.02.2026 10:52
red04
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Österreich zählt zu den Ländern mit hoher Versorgungsqualität.

Die Stromversorgung in Österreich bleibt nach aktuellen Modellrechnungen bis 2040 gesichert. Zu diesem Ergebnis kommt der jüngste Monitoring-Bericht der E-Control. Gleichzeitig wird das Energiesystem zunehmend volatil: Die wachsende Bedeutung erneuerbarer Energien – insbesondere der Wasserkraft – macht die Strombilanz stärker von Witterung und Niederschlag abhängig.

Vom Exporteur zum Importeur

Wie stark Wetterbedingungen die Strombilanz beeinflussen, zeigt der Vergleich der Jahre 2024 und 2025. 2024 war ein ausgesprochen gutes Wasserjahr. Hohe Pegelstände führten zu einer überdurchschnittlichen Stromproduktion aus Wasserkraft, Österreich verzeichnete einen Exportüberschuss. 2025 drehte sich das Bild: Unterdurchschnittliche Wasserführung und ein steigender Strombedarf machten das Land wieder zum Netto-Importeur. Diese Schwankungen gelten als Vorboten eines Energiesystems, das stärker auf fluktuierende erneuerbare Quellen setzt.

Verdreifachung der Speicherkapazität nötig

Um diese Volatilität langfristig auszugleichen, ist laut E-Control ein massiver Ausbau der Stromspeicher erforderlich. Die Modellrechnungen gehen von einem Bedarf von rund 18 Gigawatt (GW) Speicherkapazität bis 2040 aus – etwa dem Dreifachen des heutigen Niveaus. Speicher gelten als Schlüsseltechnologie der Energiewende. Sie sollen Überschüsse aus wind- oder wasserreichen Zeiten aufnehmen und in Phasen geringer Produktion wieder ins Netz einspeisen. Ohne diesen Ausbau würde die Abhängigkeit von Stromimporten in schwachen Erzeugungsjahren steigen.

Strompreise bleiben über Vorkrisenniveau

Bei den Energiepreisen dämpft die Behörde Erwartungen auf eine Rückkehr zu früheren Niedrigpreisen. Laut Terminmärkten wird für 2027 ein Großhandelspreis von rund 90 Euro pro Megawattstunde erwartet. Für Haushaltskunden entspricht das einem reinen Energiepreis von etwa 10 bis 11 Cent pro Kilowattstunde – ohne Netzkosten und Steuern. Als wesentliche Ursachen nennt die E-Control den Wegfall russischer Gaslieferungen sowie gestiegene CO₂-Preise. Durch den Ausfall von rund 1.000 Terawattstunden Gas auf dem Weltmarkt musste verstärkt auf Flüssigerdgas (LNG) zurückgegriffen werden, das teurer ist als Pipeline-Gas. Zusätzlich seien die CO₂-Zertifikatspreise deutlich gestiegen und bewegten sich mittlerweile zwischen 70 und 90 Euro pro Tonne. Nach Einschätzung der Behörde war das frühere Preisniveau von rund 40 Euro pro Megawattstunde langfristig nicht kostendeckend. Ein Niveau von 80 bis 90 Euro sei notwendig, um Investitionen in neue Kraftwerke ohne dauerhafte Förderungen wirtschaftlich zu ermöglichen.

Hohe Netzzuverlässigkeit

Positiv fällt die Bilanz bei der Netzstabilität aus. Die durchschnittliche ungeplante Nichtverfügbarkeit lag 2024 bei rund 23 Minuten pro Kunde und damit deutlich unter dem Vorjahreswert von 33 Minuten. Österreich zählt damit weiterhin zu den Ländern mit hoher Versorgungsqualität. Insgesamt zeichnet der Monitoring-Bericht das Bild eines stabilen, aber im Wandel befindlichen Stromsystems. Die Versorgungssicherheit gilt als gewährleistet, doch die zunehmende Wetterabhängigkeit und höhere Preisniveaus verändern die Rahmenbedingungen. Entscheidend für die kommenden Jahre wird sein, wie rasch Speicher, Netze und flexible Erzeugungskapazitäten ausgebaut werden.

(APA/red)

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