Reichstes Zehntel verursacht Großteil der Umweltkosten
Forscher beziffern die durch Konsum verursachten Umwelt- und Klimaschäden der wohlhabendsten zehn Prozent der Weltbevölkerung auf mehrere Billionen Dollar pro Jahr.
Die wohlhabendsten zehn Prozent der Weltbevölkerung tragen einer aktuellen Studie zufolge einen überproportional großen Anteil an den globalen Umwelt- und Klimaschäden. Forschende der Universitäten Leiden und Oxford schätzen die durch den Konsum dieser Bevölkerungsgruppe verursachten Schäden auf jährlich zwischen 1,7 und 5,7 Billionen US-Dollar.
Veröffentlicht wurde die Untersuchung im Fachjournal Communications Sustainability. Die Wissenschaftler analysierten dabei die Auswirkungen des Konsums auf ausgewählte ökologische Belastungsgrenzen, darunter Klimawandel, Artenverlust, Stickstoff- und Phosphoreinträge sowie den Verbrauch von Süßwasserressourcen.
Den größten Anteil an den errechneten Umweltkosten hat demnach der Verlust der biologischen Vielfalt, gefolgt von den Folgen des Klimawandels. Die Studie macht deutlich, dass sich die Umweltbelastungen nicht gleichmäßig auf die Weltbevölkerung verteilen. Rund 60 Prozent der wohlhabendsten zehn Prozent leben in den USA und der Europäischen Union. Schätzungen zufolge zählen mehr als 40 Prozent der Europäerinnen und Europäer zu dieser globalen Einkommensgruppe.
Die Forschenden weisen darauf hin, dass nicht nur das Einkommen, sondern auch Konsum- und Lebensstilentscheidungen einen wesentlichen Einfluss auf die Umwelt haben. Häufiges Fliegen, große Fahrzeuge, hoher Energieverbrauch sowie ein ressourcenintensiver Lebensstil zählen zu den Faktoren, die den ökologischen Fußabdruck erhöhen.
Aus Sicht der Autoren sollten jene Bevölkerungsgruppen, die besonders hohe Umweltkosten verursachen, stärker in die Verantwortung genommen werden. Diskutiert werden etwa Umweltabgaben, steuerliche Instrumente oder andere Maßnahmen nach dem Verursacherprinzip. Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass finanzielle Ausgleichsmechanismen allein nicht ausreichen. Entscheidend sei vor allem, Umweltbelastungen durch klare Regeln, nachhaltige Technologien und verändertes Konsumverhalten von vornherein zu vermeiden.
Die Studie versteht sich als Beitrag zur Debatte über eine gerechtere Verteilung von Umweltverantwortung und die Finanzierung von Klima- und Naturschutzmaßnahmen. Die Autoren sehen insbesondere bei einkommensstarken Bevölkerungsgruppen großes Potenzial, durch bewusste Konsumentscheidungen und Investitionen einen positiven Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz zu leisten.
APA/Red.