Starker El Niño bringt neue Wetterrisiken

El Niño gewinnt deutlich an Stärke und könnte in den kommenden Monaten für mehr Hitze, Trockenheit und Starkregen in verschiedenen Regionen sorgen.

03.09.2026 12:36
red04
© NASA Goddard Space Flight Center, CC BY 2.0 / Wikimedia Commons
Die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño bis Februar 2027 anhält, liegt laut WMO bei nahezu 100 Prozent.

Das Wetterphänomen El Niño beschäftigt derzeit die Klimaforscher. Im tropischen Pazifik hat sich das Meer deutlich erwärmt, gleichzeitig verändern sich die atmosphärischen Bedingungen. Nach Einschätzung der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) dürfte sich El Niño in den kommenden Monaten weiter verstärken. Die Entwicklung könnte bis Anfang 2027 Auswirkungen auf das Wetter in vielen Teilen der Welt haben.

Ungewöhnlich warmer Pazifik

El Niño hat sich im tropischen Pazifik festgesetzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Ereignis bis Februar 2027 anhält, liegt laut WMO bei nahezu 100 Prozent. Seinen Höhepunkt dürfte El Niño gegen Ende dieses Jahres erreichen. Das Ausmaß der Erwärmung ist bereits deutlich. Im Juli lag die Meeresoberfläche im zentralen und östlichen tropischen Pazifik rund zwei Grad über dem Durchschnitt. Mitte August wurden Werte von etwa 2,2 bis 2,6 Grad über dem Mittel gemessen. Unter der Wasseroberfläche war es stellenweise sogar mehr als acht Grad wärmer als üblich.

Das Wetter verändert sich weltweit

El Niño beeinflusst die Zirkulation der Atmosphäre. Dadurch verändern sich Niederschlagsgebiete und Temperaturen. In manchen Regionen nimmt die Gefahr von Dürre zu, andernorts sind ungewöhnlich starke Regenfälle möglich. Auch das Risiko für extreme Hitze steigt. Für die Monate September bis November erwartet die WMO über weiten Teilen der Landflächen höhere Temperaturen als im langjährigen Mittel. Beim Niederschlag zeichnet sich ein für El Niño typisches Muster ab: Einige Regionen werden voraussichtlich feuchter, andere trockener. Welche Folgen es an einem bestimmten Ort gibt, lässt sich daraus allerdings nicht einfach ableiten. Auch andere Klimafaktoren spielen eine Rolle.

Wälder und Böden unter Druck

Für die Umwelt können längere Hitze- und Trockenperioden problematisch werden. Wälder geraten bei Wassermangel unter Stress. Trockene Vegetation erhöht zudem die Gefahr von Waldbränden. Auch die Böden leiden. Fehlt über längere Zeit Wasser, können Pflanzen schlechter wachsen. Kommt anschließend sehr viel Regen, steigt wiederum das Risiko für Erosion und Überschwemmungen. In Regionen, in denen die Landwirtschaft stark vom Regen abhängt, können sich solche Veränderungen direkt auf die Ernten auswirken.

Warmes Meer belastet Ökosysteme

Nicht nur an Land sind Folgen zu erwarten. Die Erwärmung des Pazifiks verändert auch die Bedingungen unter Wasser. Während El Niño kann der Auftrieb von kaltem, nährstoffreichem Tiefenwasser im östlichen Pazifik schwächer werden. Das wirkt sich auf Plankton und damit auf die Nahrungskette aus. Hinzu kommt die außergewöhnliche Wärme des Meerwassers. Für Korallenriffe ist das eine zusätzliche Belastung. Steigen die Wassertemperaturen über längere Zeit stark an, können Korallen ausbleichen und absterben. Dies ist besonders problematisch, da viele Korallenriffe bereits unter der langfristigen Erwärmung der Meere leiden.

El Niño nicht vom Menschen erzeugt

El Niño selbst ist kein menschengemachtes Klimaphänomen. Es gehört zur natürlichen Schwankung des Klimasystems und tritt in unregelmäßigen Abständen auf. Die globale Erwärmung hat eine andere Ursache und wirkt langfristig. Beides trifft jedoch aufeinander. Ein starkes El Niño kann die Temperaturen weltweit vorübergehend zusätzlich erhöhen. Gleichzeitig sind viele Ökosysteme durch die bereits gestiegenen Temperaturen empfindlicher geworden. Das kommende El-Niño-Ereignis ist damit eine zusätzliche Belastung für Umwelt und Gesellschaft. Die WMO rechnet mit einem erhöhten Risiko für Hitze, Dürren und Überschwemmungen bis weit ins Jahr 2027 hinein. Für Europa sind die Auswirkungen weniger eindeutig. El Niño kann zwar die großräumige Wetterzirkulation beeinflussen, ein bestimmtes Wettergeschehen in Deutschland oder Österreich lässt sich daraus aber nicht ableiten.

(red)

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