Steigendes Brandrisiko durch Lithium-Batterien
Falsch entsorgte Lithium-Batterien sorgen in Österreich zunehmend für Brände und stellen damit eine wachsende Gefahr für Abfallwirtschaft und Einsatzkräfte dar.
Falsch entsorgte Lithium-Batterien stellen für die Abfallwirtschaft in Österreich ein wachsendes Problem dar. Immer häufiger lösen sie Brände im Restmüll aus. Bei einem Medientermin am heutigen Dienstag in Wien wiesen die Elektroaltgeräte Koordinierungsstelle (EAK), das Umweltministerium und der Bundesfeuerwehrverband auf die Gefahren hin. Auf dem Gelände der Saubermacher Dienstleistungs AG wurde in einem Experiment demonstriert, wie schnell beschädigte Lithium-Akkus Feuer auslösen können.
Hohes Gefahrenpotenzial
Ob Einweg-E-Zigaretten, Laptops, kabellose Kopfhörer, Spielzeug, Glückwunschkarten oder elektrische Zahnbürsten – Lithium-Akkus sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig bergen sie ein erhebliches Risiko. In der österreichischen Abfallwirtschaft kommt es statistisch bis zu sechs Mal täglich zu Bränden, wobei nicht alle durch Lithium-Batterien ausgelöst werden. Zwischen 2012 und 2024 verzeichnete der Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) eine Verfünffachung der Brandereignisse.
Zwei Batterien pro Tonne Abfall
Laut Schätzungen der Montanuniversität Leoben landen jährlich rund drei Millionen Lithium-Batterien im Restmüll, anstatt in den vorgesehenen Sammelstellen. Das entspricht etwa zwei Stück pro Tonne Abfall. Mit der steigenden Zahl elektronischer Geräte könnte sich diese Menge auf rund sechs Millionen pro Jahr erhöhen. EAK-Geschäftsführerin Elisabeth Giehser wies darauf hin, dass Lithium-Batterien 2024 rund 46,5 Prozent aller in Verkehr gebrachten Gerätebatterien ausmachten, die Sammelquote jedoch nur bei 13,3 Prozent liegt. Der Rest hat meist eine Lebensdauer von fünf bis acht Jahren und taucht daher verzögert in der Entsorgung auf. Andere Batterien erreichen Sammelquoten von über 86 Prozent.
Fehlwürfe verursachen Brände
Problematisch sind vor allem Fehlwürfe in Papier- oder Kunststoffsammlungen. 2025 registrierte der VOEB insgesamt 36 größere Brandereignisse in Entsorgungs- und Recyclingbetrieben, bei mehreren davon wurden Lithium-Batterien als mögliche Ursache vermutet. Ein besonders schwerwiegender Brand zerstörte im Juli 2025 eine Anlage in Osttirol und konnte erst nach mehreren Tagen gelöscht werden, berichtete Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP).
Experiment zeigt Brandgefahr
Bei einem Experiment in Wien demonstrierte die Saubermacher Dienstleistungs AG, wie beschädigte Akkus reagieren. Einige begannen sofort zu rauchen oder zu brennen, besonders schnell entzündete sich eine Glückwunschkarte. Segmentleiter Berthold Kren erklärte, dass in Müllautos oder Sortieranlagen ähnliche Einwirkungen auftreten können, wobei es zum „thermischen Durchgehen“ (Thermal Runaway) kommt. Dabei erhöht sich die Temperatur so lange, bis die Batterie sich selbst entzündet. Restmüll bietet ideale Bedingungen für solche Brände, da leicht entzündliche Stoffe und große Abfallmengen kleine Funken schnell zu größeren Feuerherden führen. Martin Mittnecker vom Bundesfeuerwehrverband ergänzte, dass Akkus erst nach zehn Minuten oder sogar einer halben Stunde reagieren können.
Große Herausforderung
Brände durch Lithium-Batterien sind für die Feuerwehr besonders schwierig zu bekämpfen. Oft entzündet sich der Abfall tief im Schüttmaterial. Die Bekämpfung dauert mehrere Tage, der Personal- und Geräteeinsatz ist hoch und die Luft durch Schadstoffe belastet. Zusätzlich muss kontaminiertes Löschwasser aufgefangen und entsorgt werden. Die wirtschaftlichen Schäden durch Brände in Entsorgungsbetrieben liegen bereits in zweistelligen Millionenbeträgen. Versicherungen erhöhen ihre Prämien oder ziehen sich teilweise zurück. Saubermacher hat am Standort Premstätten daher in erweiterte Brandschutzmaßnahmen investiert, um Annahme, Sortierung und Lagerung von Batterien sicherer zu gestalten.
(APA/red)