Wasser als verwundbare Ressource im Nahen Osten

Die Abhängigkeit von Entsalzungsanlagen macht viele Staaten im Nahen Osten besonders verwundbar.

24.03.2026 16:12
red04
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Während Öl lange als wichtigste Ressource der Region galt, rückt die Versorgung mit Trinkwasser stärker in den Mittelpunkt strategischer Überlegungen.

Im aktuellen Konflikt im Nahen Osten richtet sich die internationale Aufmerksamkeit vor allem auf Energieanlagen. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass eine andere Infrastruktur mindestens ebenso entscheidend ist: Entsalzungsanlagen. Sie sichern die Trinkwasserversorgung für große Teile der Bevölkerung und gelten daher als strategisch besonders sensibel. Die Region zählt zu den trockensten der Welt und verfügt nur über begrenzte natürliche Süßwasserressourcen. Entsprechend ist sie stark von Meerwasserentsalzung abhängig. In den Golfstaaten stammt ein erheblicher Teil des Trinkwassers aus solchen Anlagen – in einigen Ländern wie Kuwait bis zu 90 Prozent. Insgesamt versorgen sie rund 100 Millionen Menschen mit Wasser.

Zunehmende Spannungen

Vor dem Hintergrund der jüngsten Eskalation kam es bereits zu Zwischenfällen. Mehrere Staaten meldeten Schäden an Entsalzungsanlagen, gleichzeitig wurden gegenseitige Angriffe auf Infrastruktur vorgeworfen. Zudem drohte der Iran offen mit Angriffen auf entsprechende Einrichtungen in der Golfregion. Solche Drohungen gelten als besonders brisant, da Angriffe auf zivile Wasserinfrastruktur nach internationalem Recht verboten sind. Dennoch zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass diese Anlagen zunehmend in den Fokus militärischer Überlegungen geraten.

Hohe Verwundbarkeit der Anlagen

Experten betonen seit Jahren die Anfälligkeit der Entsalzungsinfrastruktur. Bereits eine Analyse des US-Geheimdienstes CIA kam zu dem Ergebnis, dass ein Großteil der Wasserversorgung in der Golfregion von vergleichsweise wenigen Anlagen abhängt. Diese seien „extrem anfällig“ für Sabotage oder militärische Angriffe. Auch andere Risiken erhöhen die Verletzlichkeit: Stromausfälle, Umweltverschmutzung – etwa durch Ölunfälle – oder technische Störungen können den Betrieb erheblich beeinträchtigen. In einigen Ländern wurden daher Schutzmaßnahmen wie Raketenabwehrsysteme rund um die Anlagen installiert.

Mögliche Folgen eines Ausfalls

Ein großflächiger Ausfall hätte weitreichende Konsequenzen. Experten warnen vor drastischen Szenarien: von kurzfristigen Versorgungsengpässen bis hin zu massiven gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verwerfungen. Dazu zählen mögliche Evakuierungen großer Städte, Wasser-Rationierungen sowie Auswirkungen auf Industrie, Tourismus und digitale Infrastruktur, die auf Kühlwasser angewiesen ist. Selbst kurzfristige Unterbrechungen könnten nationale Krisen auslösen.

Wasser als geopolitischer Faktor

Die Bedeutung der Entsalzung geht über die reine Versorgung hinaus. Sie ist eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Golfstaaten verbunden. Beobachter sprechen in diesem Zusammenhang von „Wassersupermächten“, deren Existenz maßgeblich auf technisch erzeugtem Süßwasser basiert. Damit wird Wasser zunehmend zu einem geopolitischen Faktor. Während Öl lange als wichtigste Ressource der Region galt, rückt die Versorgung mit Trinkwasser stärker in den Mittelpunkt strategischer Überlegungen.

Klimakrise verschärft die Lage

Parallel zu den geopolitischen Spannungen verschärft die Klimakrise die Situation zusätzlich. Steigende Temperaturen, häufigere Dürren und extreme Wetterereignisse erhöhen den Bedarf an entsalztem Wasser und gleichzeitig die Risiken für die Anlagen selbst. Zugleich ist die Entsalzung energieintensiv und mit erheblichen CO₂-Emissionen verbunden. Auch ökologische Folgen wie die Einleitung hochkonzentrierter Salzlauge ins Meer belasten die Umwelt.

(red)

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