Welt auf nächste Pandemie kaum vorbereitet

Die WHO sieht die internationale Gemeinschaft bei der Vorbereitung auf neue Gesundheitskrisen weiterhin unzureichend aufgestellt.

19.05.2026 10:06
red04
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Experten sehen vor allem geopolitische Spannungen, mangelndes Vertrauen in Institutionen und unzureichende internationale Kooperation als große Risiken.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und internationale Experten warnen eindringlich davor, dass die Menschheit auf eine neue Pandemie nur unzureichend vorbereitet ist. Trotz der Erfahrung aus der Covid-19-Krise seien viele Staaten heute sogar verwundbarer als noch vor wenigen Jahren. Das geht aus aktuellen Einschätzungen im Vorfeld der WHO-Jahrestagung in Genf hervor. Demnach habe die Coronavirus-Pandemie zwar zahlreiche Schwächen offengelegt, grundlegende Reformen im Gesundheitswesen und bei internationalen Krisenmechanismen seien jedoch vielfach ausgeblieben. Experten sehen vor allem geopolitische Spannungen, mangelndes Vertrauen in Institutionen und unzureichende internationale Kooperation als große Risiken.

Vertrauen in Politik und Wissenschaft geschwächt

Das internationale Expertengremium Global Preparedness Monitoring Board (GPMB) warnt, dass eine neue Pandemie auf eine „gespaltenere, stärker verschuldete und weniger widerstandsfähige Welt“ treffen würde. Besonders problematisch sei der Vertrauensverlust gegenüber Regierungen, internationalen Organisationen und wirtschaftlichen Institutionen. Die WHO sieht darin eine direkte Folge der Covid-19-Jahre. Während der Pandemie hätten Desinformation, politische Polarisierung und soziale Konflikte massiv zugenommen. Gleichzeitig sei in vielen Ländern die Bereitschaft gesunken, langfristig in Prävention und Gesundheitsvorsorge zu investieren.

Streit um internationale Pandemieabkommen

Zusätzliche Sorgen bereiten stockende Verhandlungen über ein internationales Pandemieabkommen der WHO. Ziel des Vertrags wäre ein schnellerer Austausch von Informationen über neue Krankheitserreger sowie ein gerechter Zugang zu Impfstoffen und Medikamenten im Krisenfall. Vor allem zwischen wohlhabenden Industriestaaten und Entwicklungsländern gibt es jedoch weiterhin Konflikte. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie medizinische Daten, Impfstoffe und Technologien künftig verteilt werden sollen. Eine Einigung gilt derzeit als unsicher.

Experten sehen große Lücken

Fachleute weisen darauf hin, dass viele Staaten bis heute keine ausreichenden Pandemiepläne besitzen. Auch die gesetzlichen Grundlagen seien teilweise veraltet. Bereits fünf Jahre nach dem Ausbruch von Covid-19 gebe es in mehreren Ländern noch immer keine umfassenden Reformen für den Umgang mit globalen Gesundheitskrisen. Hinzu komme, dass neue Risiken entstehen. Klimawandel, Urbanisierung und die zunehmende Nähe zwischen Mensch und Tier erhöhen laut Wissenschaftlern die Wahrscheinlichkeit neuer Infektionskrankheiten. Auch Vogelgrippeviren wie H5N1 werden weiterhin genau beobachtet, wenngleich Experten derzeit keine unmittelbar bevorstehende Pandemie beim Menschen erwarten.

Frühwarnsysteme und Zusammenarbeit gefordert

Wissenschaftler fordern deshalb massive Investitionen in Frühwarnsysteme, Forschung und internationale Kooperation. Moderne Überwachungssysteme könnten neue Krankheitserreger deutlich früher erkennen und eine schnellere Reaktion ermöglichen. Die WHO mahnt zudem, dass Pandemievorsorge nicht erst im Krisenfall beginnen dürfe. Gesundheitsversorgung, Forschung, Kommunikation und globale Zusammenarbeit müssten dauerhaft gestärkt werden, um eine neuerliche weltweite Katastrophe verhindern zu können.

(red)

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