Weltraumschrott hinterlässt messbare Spuren
Selbst beim Zerfall verglühender Weltraumtrümmer entstehen chemische Rückstände, die hoch über unseren Köpfen messbar sind.
Jedes Jahr starten Hunderte Raketen in den Weltraum. Meist denkt man bei ihren Rückständen nur an verglühende Trümmer, die harmlos in der Atmosphäre verschwinden. Doch neue Messungen zeigen: Selbst die Teile, die beim Wiedereintritt zerfallen, hinterlassen messbare Spuren – und könnten die obere Atmosphäre auf Dauer beeinflussen.
Lithiumwolken über Europa
Forscher des Leibniz‑Instituts für Atmosphärenphysik in Kühlungsborn stießen bei ihren Messungen in rund 96 Kilometern Höhe auf eine ungewöhnliche Erscheinung: eine Wolke aus Lithiumatomen. Sie entstand, nachdem eine Raketenstufe der Falcon 9 beim Wiedereintritt verglühte. Die Konzentration war rund zehnmal höher als normal, natürliche Quellen konnten ausgeschlossen werden. Die Wissenschaftler entdeckten die Wolke eher zufällig im Rahmen routinemäßiger Lidar-Messungen. Die Laser-Technik erlaubt, Teilchen in der Atmosphäre präzise zu erkennen. Die Lithiumwolke war etwa 27 Minuten lang nachweisbar, bevor sie sich wieder auflöste.
Atmosphärische Wirkung
Mit der steigenden Zahl von Raketenstarts und Satelliten wächst auch die Menge an Trümmern, die in der oberen Atmosphäre verglühen. Die Lithiumwolke ist ein konkretes Beispiel dafür, dass Raumfahrt nicht nur im Orbit, sondern auch in der Atmosphäre Spuren hinterlässt. Die langfristigen Folgen für Strahlungstransport, Ozonchemie und Aerosole sind bisher weitgehend unbekannt. Die Falcon‑9-Stufe, die die Wolke verursachte, verglühte im Februar 2025 über Europa. Einzelne Trümmerteile konnten sogar in Polen geborgen werden. Solche Ereignisse werden durch die wachsende Zahl von Satellitenprojekten wie Starlink häufiger.
Mehr als nur Aluminium
Bisher lag der Fokus auf Aluminium, das in Raketenstrukturen und Satelliten weit verbreitet ist und in der Stratosphäre Ozonabbau fördern kann. Der Nachweis von Lithium erweitert nun das Spektrum der Materialien, die beim Verglühen Spuren hinterlassen. Lithium stammt oft aus Batterien oder Legierungen, die in Raketen verbaut sind. Die Forscher sehen in der Messung sowohl eine Chance als auch eine Warnung: Es ist ein Hinweis darauf, dass Raumfahrtschrott die Atmosphäre beeinflusst und dass kontinuierliche Beobachtungen nötig sind, um mögliche Effekte auf Klima und Umwelt besser zu verstehen.
(red)