Zahl unfruchtbarer Frauen über 35 steigt weltweit

Forscher rechnen damit, dass die Zahl unfruchtbarer Frauen zwischen 35 und 49 Jahren bis 2036 auf rund 80 Millionen ansteigen wird.

10.07.2026 10:05
red04
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Seit 1990 ist die altersstandardisierte Häufigkeit der Erkrankung kontinuierlich gestiegen.

Die Zahl der Frauen zwischen 35 und 49 Jahren, die von Unfruchtbarkeit betroffen sind, steigt weltweit kontinuierlich an. Das zeigt eine aktuelle Analyse auf Basis der Global Burden of Disease (GBD)-Daten 2023, die im Fachjournal The Lancet Regional Health – Western Pacific veröffentlicht wurde. Demnach litten im Jahr 2023 rund 53,6 Millionen Frauen dieser Altersgruppe an Unfruchtbarkeit. Bis 2036 rechnen die Autoren mit einem Anstieg um fast 50 Prozent.

Fast 54 Millionen Betroffene weltweit

Nach Angaben der Studie waren 2023 weltweit etwa 53,6 Millionen Frauen im Alter zwischen 35 und 49 Jahren unfruchtbar. Seit 1990 ist die altersstandardisierte Häufigkeit der Erkrankung kontinuierlich gestiegen. Parallel nahm auch die Krankheitslast zu, gemessen an sogenannten DALYs, die verlorene gesunde Lebensjahre durch Krankheit oder Einschränkungen zusammenfassen. Setzt sich die Entwicklung fort, könnte die Zahl der betroffenen Frauen bis 2036 auf rund 80 Millionen steigen. Besonders stark wird der Anstieg bei Frauen zwischen 35 und 39 Jahren erwartet.

Höhere Belastung in wohlhabenderen Ländern

Auffällig ist, dass die Krankheitslast inzwischen zunehmend in Ländern mit mittlerem und hohem Entwicklungsstand liegt. Während Unfruchtbarkeit früher vor allem in Staaten mit niedrigem sozioökonomischem Entwicklungsniveau besonders stark ins Gewicht fiel, hat sich dieser Schwerpunkt in den vergangenen Jahrzehnten verschoben. Als Ursachen nennen die Autoren vor allem gesellschaftliche Veränderungen. In vielen Industrieländern verschieben sich Familiengründungen zunehmend in ein höheres Alter. Gleichzeitig nehmen mehr Frauen eine medizinische Abklärung in Anspruch, und diagnostische Möglichkeiten sowie reproduktionsmedizinische Angebote sind besser verfügbar. Dennoch weisen die Wissenschaftler darauf hin, dass die höhere Zahl erfasster Fälle auch mit einer besseren Diagnostik zusammenhängen dürfte. In Ländern mit schlechter Gesundheitsversorgung bleibt Unfruchtbarkeit häufig unerkannt oder wird nicht behandelt.

Unterschiede zwischen den Regionen

Die Entwicklung verläuft regional sehr unterschiedlich. Ostasien weist seit Jahren die höchste Krankheitslast auf, wenngleich sich der Anstieg zuletzt abgeschwächt hat. Als mögliche Gründe nennen die Autoren unter anderem spätere Familiengründungen, wirtschaftliche Faktoren sowie unterschiedliche Zugänge zu Kinderwunschbehandlungen. Die niedrigsten Belastungen wurden dagegen in Australasien festgestellt. Auch Teile Ostafrikas verzeichneten vergleichsweise niedrige oder rückläufige Werte. Dort spielen nach Einschätzung der Forscher unter anderem frühere Schwangerschaften sowie kulturelle und gesellschaftliche Faktoren eine Rolle.

Unterschiede zwischen den Ländern

Die Studie zeigt außerdem erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Staaten. Das größte Potenzial zur Verringerung der Krankheitslast sehen die Autoren unter anderem in der Zentralafrikanischen Republik, Gabun und Dschibuti. Auch Länder wie China und Österreich schneiden gemessen an ihrem Entwicklungsstand schlechter ab als vergleichbare Staaten und könnten ihre Situation nach Einschätzung der Forscher verbessern. Demgegenüber erreichen einige Länder trotz begrenzter wirtschaftlicher Ressourcen bessere Werte als erwartet. Als mögliche Erklärungen werden frühere Familiengründungen sowie nationale Besonderheiten genannt.

Mehr als ein medizinisches Problem

Die Autoren betonen, dass Unfruchtbarkeit weitreichende Folgen über die medizinischen Aspekte hinaus hat. Für Betroffene kann sie mit erheblichem psychischem Stress, finanziellen Belastungen und sozialem Druck verbunden sein. Gleichzeitig steigen die Kosten für Diagnostik und Behandlung. Gesamtgesellschaftlich könnte die zunehmende Unfruchtbarkeit den demografischen Wandel verstärken und langfristig Auswirkungen auf Arbeitsmarkt, Sozialversicherungssysteme und wirtschaftliche Entwicklung haben. Besonders problematisch sei, dass moderne Kinderwunschbehandlungen in vielen Ländern nur eingeschränkt oder gar nicht öffentlich finanziert werden und deshalb für viele Paare kaum erreichbar sind.

Bedarf an besserer Versorgung

Angesichts der prognostizierten Entwicklung sprechen sich die Autoren für einen Ausbau der reproduktionsmedizinischen Versorgung aus. Dazu gehören ein besserer Zugang zu Diagnostik und Kinderwunschbehandlungen, eine stärkere Einbindung entsprechender Angebote in die reguläre Gesundheitsversorgung sowie eine bessere finanzielle Absicherung der Betroffenen. Zugleich plädieren sie dafür, das Thema stärker in nationale Gesundheitsstrategien aufzunehmen und Unterschiede zwischen Ländern gezielt abzubauen. Trotz einer insgesamt geringeren Ungleichheit zwischen Regionen bestehen nach wie vor erhebliche Unterschiede beim Zugang zu medizinischer Versorgung.

Ergebnisse mit Einschränkungen

Die Autoren weisen darauf hin, dass die Daten nicht ausschließlich die tatsächliche Häufigkeit von Unfruchtbarkeit widerspiegeln. In Ländern mit gut ausgebauten Gesundheitssystemen wird die Erkrankung häufiger diagnostiziert und dokumentiert als in Staaten mit eingeschränkter medizinischer Versorgung. Deshalb könnten die Belastungen in ärmeren Regionen unterschätzt sein. Unabhängig davon zeigt die Analyse jedoch einen klaren Trend: Mit der zunehmenden Verschiebung von Schwangerschaften in ein höheres Alter dürfte die Zahl der Frauen mit altersbedingter Unfruchtbarkeit in den kommenden Jahren weltweit weiter steigen.

(red)

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