Zunahme bei PFAS- und Substitutions-Pestiziden

Die in Österreich in Verkehr gebrachten Mengen bestimmter als kritisch eingestufter Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe sind zuletzt deutlich gestiegen.

18.06.2026 11:42
red04
© Marco BERTORELLO / AFP
Die Wirkstoffe gelten im EU-Pflanzenschutzrecht als besonders bedenklich und sollen langfristig ersetzt werden.

Eine parlamentarische Anfrage der Grünen an Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) hat neue Daten zu den in Österreich in Verkehr gebrachten Mengen bestimmter Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe geliefert. Im Fokus stehen dabei Substanzen, die als besonders bedenklich gelten oder im Verdacht stehen, problematische Abbauprodukte zu erzeugen.

Anstieg bei PFAS-Pestiziden

Laut den erhobenen Daten wurden 2025 insgesamt 136,1 Tonnen sogenannter PFAS-Pestizide in Verkehr gebracht. Das entspricht einem Anstieg von 31 Prozent gegenüber 2024 und einem Plus von 54 Prozent im Vergleich zu 2015. Auch bei den sogenannten Substitutionskandidaten ist ein Zuwachs zu verzeichnen. Diese Wirkstoffe gelten im EU-Pflanzenschutzrecht als besonders bedenklich und sollen langfristig ersetzt werden. Ihre Gesamtmenge stieg 2025 auf 532,4 Tonnen, was einem Plus von 18 Prozent entspricht. Die Einordnung dieser Stoffe basiert unter anderem auf Bewertungen der EU-Chemikalienagentur European Chemicals Agency (ECHA) sowie der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES. Insgesamt wurden im Rahmen der Anfrage 50 Wirkstoffe betrachtet, die entweder im Verdacht stehen, die sogenannte „Ewigkeitschemikalie“ Trifluoressigsäure (TFA) zu bilden, oder als Substitutionskandidaten gelten oder beide Kriterien erfüllen. TFA wird von der EU-Chemikalienbehörde als Stoff mit potenziell schädlicher Wirkung auf die Fortpflanzung bewertet.

Starke Zuwächse bei einzelnen Wirkstoffen

Bei einzelnen Herbiziden zeigen die Daten besonders deutliche Steigerungen. So hat sich die in Verkehr gebrachte Menge von Chlorotoluron von 28,9 Tonnen im Jahr 2024 auf 54,5 Tonnen im Jahr 2025 nahezu verdoppelt. Der Wirkstoff wird in EU-Bewertungen unter anderem mit möglichen Risiken für Krebsentstehung, Hormonwirkungen sowie Auswirkungen auf die Entwicklung ungeborener Kinder in Verbindung gebracht. Auch der Wirkstoff Flufenacet weist einen starken Anstieg auf – von 28,9 Tonnen im Jahr 2024 auf 53,6 Tonnen im Jahr 2025. Flufenacet zählt zu den Substitutionskandidaten und steht zudem im Zusammenhang mit der Bildung von TFA. Der Wirkstoff hat bereits seine EU-Zulassung verloren, darf jedoch noch innerhalb von Übergangsfristen verwendet werden. Die Aufbrauchsfrist läuft bis Dezember 2026. Diskussionen über mögliche Alternativen und Lagerstrategien werden in der Landwirtschaft weiterhin geführt.

Glyphosat mit steigenden Verkaufszahlen

Auch das Herbizid Glyphosat verzeichnete 2025 wieder höhere Absatzmengen. Nach 289,7 Tonnen im Jahr 2024 stieg die in Verkehr gebrachte Menge auf 368,6 Tonnen. In Österreich besteht seit 2021 ein Teilverbot des Wirkstoffs. Glyphosat steht international seit Jahren im Zentrum wissenschaftlicher und juristischer Auseinandersetzungen. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft den Wirkstoff als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Gleichzeitig laufen in mehreren Ländern weiterhin Verfahren und Diskussionen über die Bewertung und Regulierung.

Kontroverse um Dateninterpretation

Bereits Ende 2025 hatte die Umweltorganisation Global 2000 auf Basis parlamentarischer Daten auf steigende Mengen problematischer Wirkstoffe hingewiesen und daraus mögliche Flächenberechnungen abgeleitet. Diese Auswertungen sind inzwischen Gegenstand eines Verfahrens vor dem Handelsgericht Wien. Die Klage richtet sich gegen die Industriegruppe Pflanzenschutz (IGP), die die Interessen von Pestizidherstellern vertritt. Streitpunkt ist unter anderem die Frage, ob die Darstellung der Daten durch die Umweltorganisation wissenschaftlich korrekt erfolgt ist oder ob sie irreführend interpretiert wurden.

Zielvorgaben der EU

Auf europäischer Ebene verfolgt die EU-Kommission das Ziel, den Einsatz besonders bedenklicher Pflanzenschutzmittel bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren. Die aktuellen Entwicklungen in Österreich stehen damit in einem Spannungsfeld zwischen agrarischer Praxis, regulatorischen Übergangsfristen und umweltpolitischen Zielsetzungen.

(APA/red)

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