Zunehmender TFA-Eintrag aus der Atmosphäre

Immer mehr Trifluoressigsäure gelangt aus der Atmosphäre in Böden, Gewässer und selbst entlegene Regionen.

04.03.2026 14:27
red04
© Adobe Stock
Zwischen 2000 und 2022 sind Schätzungen zufolge rund 335.500 Tonnen TFA aus der Atmosphäre auf die Erdoberfläche gelangt.

Ein aktueller Bericht lenkt den Blick auf ein bislang wenig beachtetes Umweltproblem: den weltweiten Eintrag der sogenannten „Forever Chemical“ Trifluoressigsäure (TFA) durch atmosphärische Prozesse. Was als klimafreundlicher Ersatz für ozonschädigende Stoffe gedacht war, entwickelt sich zunehmend zu einer globalen Belastung.

Unerwartete Folgen

Nachdem Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) wegen ihrer zerstörerischen Wirkung auf die Ozonschicht international reguliert wurden, kamen neue fluorierte Gase zum Einsatz. Dazu zählen teilfluorierte und teilhalogenierte Verbindungen wie HFCs, HCFCs und neuere HFOs. Sie werden vor allem als Kältemittel, Treibgase oder in technischen Spezialanwendungen genutzt. In der Atmosphäre zerfallen viele dieser Stoffe jedoch zu Trifluoressigsäure (TFA) – einer extrem langlebigen und wasserlöslichen Verbindung. Über Niederschläge gelangt sie schließlich in Böden, Gewässer und Eisflächen.

Hunderttausende Tonnen aus Atmosphäre

Zwischen 2000 und 2022 sind Schätzungen zufolge rund 335.500 Tonnen TFA aus der Atmosphäre auf die Erdoberfläche gelangt. Die Ablagerung erfolgt global – selbst entlegene Regionen wie die Arktis sind betroffen. Die chemische Stabilität von TFA sorgt dafür, dass sich die Substanz in der Umwelt kaum abbaut. Einmal eingetragen, verbleibt sie langfristig in Wasserkreisläufen und Ökosystemen.

„Forever Chemical“ mit offenen Fragen

TFA gehört zur Stoffgruppe der per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS), die aufgrund ihrer Persistenz auch als „Forever Chemicals“ bezeichnet werden. Während einige PFAS bereits streng reguliert sind, befindet sich die Bewertung von TFA noch in einem laufenden wissenschaftlichen und regulatorischen Prozess. Studien weisen darauf hin, dass TFA für Wasserorganismen schädlich sein kann. Zudem wurde die Substanz bereits im menschlichen Blut und Urin nachgewiesen. Welche langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen daraus entstehen könnten, ist Gegenstand weiterer Forschung.

Belastung könnte weiter steigen

Ein zentrales Problem liegt in der langen Lebensdauer vieler Ausgangsstoffe in der Atmosphäre. Selbst wenn Emissionen reduziert würden, könnten bereits freigesetzte Gase noch über Jahrzehnte hinweg zu weiterem TFA-Abbau führen. Einige Modellrechnungen gehen davon aus, dass die Einträge bis zum Ende des Jahrhunderts weiter zunehmen könnten. Damit entsteht ein ökologisches Paradox: Stoffe, die als Ersatz für ozonschädigende Substanzen entwickelt wurden und teils als klimafreundlicher gelten, tragen indirekt zur Anreicherung einer äußerst persistenten Chemikalie bei.

Monitoring und Regulierung

Fachleute fordern daher eine intensivere Umweltüberwachung sowie eine umfassende toxikologische Bewertung von TFA. Auch die Entwicklung alternativer Technologien ohne persistente Abbauprodukte rückt stärker in den Fokus. Die Debatte um TFA zeigt, wie komplex der Umgang mit globalen Chemikalienströmen ist – und dass technologische Lösungen für ein Umweltproblem mitunter neue Herausforderungen schaffen können.

(red)

Anzeige
Anzeige
Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Themen