Flüsse weltweit verlieren zunehmend Sauerstoff

Steigende Wassertemperaturen führen dazu, dass Flüsse immer weniger Sauerstoff speichern können, insbesondere in wärmeren Regionen.

19.05.2026 16:25
red04
© Adobe Stock
Im weltweiten Durchschnitt sank der Sauerstoffgehalt der Flüsse nach Angaben der Forscher um etwa 0,045 Milligramm pro Liter pro Jahrzehnt.

Der Klimawandel verändert nicht nur Temperaturen und Niederschläge, sondern zunehmend auch chemische Bedingungen in Gewässern. Eine neue internationale Studie zeigt nun, dass Flüsse weltweit immer mehr Sauerstoff verlieren – mit möglichen Folgen für ganze Ökosysteme. Für die Untersuchung analysierte ein Forschungsteam Daten aus mehr als 21.000 Flussabschnitten zwischen 1985 und 2023. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Science Advances veröffentlicht. Demnach weisen rund 79 Prozent der untersuchten Flüsse einen rückläufigen Sauerstoffgehalt auf. Gelöster Sauerstoff gilt als entscheidender Faktor für das Leben in Flüssen. Fische, Pflanzen und Mikroorganismen sind auf ausreichende Konzentrationen angewiesen. Sinkt der Sauerstoffgehalt dauerhaft, geraten empfindliche Ökosysteme unter Druck.

Tropische Regionen besonders betroffen

Besonders stark zeigt sich die Entwicklung laut Studie in tropischen Regionen. Dort seien viele Flüsse bereits von Natur aus vergleichsweise sauerstoffarm und reagierten deshalb empfindlicher auf zusätzliche Veränderungen durch den Klimawandel. Im weltweiten Durchschnitt sank der Sauerstoffgehalt der Flüsse nach Angaben der Forscher um etwa 0,045 Milligramm pro Liter pro Jahrzehnt. Die stärksten Veränderungen wurden in Gebieten rund um den Äquator festgestellt. Die Ergebnisse widersprechen teilweise bisherigen Annahmen. Bislang waren viele Wissenschaftler davon ausgegangen, dass vor allem Flüsse in kälteren Regionen besonders anfällig für klimabedingte Veränderungen seien.

Probleme bei erwärmtem Wasser

Als wichtigste Ursache nennen die Forscher die steigenden Wassertemperaturen. Warmes Wasser kann physikalisch weniger Sauerstoff aufnehmen als kaltes. Dieser Effekt erklärt laut Studie einen Großteil des weltweiten Sauerstoffverlusts. Hinzu kommen biologische Prozesse in den Gewässern, Höhere Temperaturen verändern den Stoffwechsel vieler Organismen und beeinflussen damit den Sauerstoffverbrauch in den Flüssen zusätzlich. Auch Hitzewellen spielen laut der Untersuchung eine wichtige Rolle. Extreme Wärmeperioden könnten demnach für etwa ein Viertel der globalen Entsauerstoffung verantwortlich sein.

Menschen verstärken Effekt

Neben dem Klimawandel untersuchte das Forschungsteam auch den Einfluss von Staudämmen und veränderten Wasserständen. Dabei zeigte sich, dass Eingriffe in natürliche Flusssysteme die Sauerstoffentwicklung zusätzlich beeinflussen können. Flache Stauseen begünstigen demnach häufig den Sauerstoffverlust, während tiefere Reservoirs den Effekt teilweise abschwächen können. Auch stark schwankende Wasserstände verändern die Sauerstoffdynamik der Gewässer. Die Forscher betonen allerdings, dass die Auswirkungen regional sehr unterschiedlich ausfallen und von zahlreichen Faktoren abhängen.

Folgen für Umwelt und Wasserqualität

Nach Einschätzung der Autoren könnte der fortschreitende Sauerstoffverlust erhebliche Folgen für Biodiversität und Wasserqualität haben. Flüsse erfüllen wichtige Funktionen für Trinkwasserversorgung, Fischerei und natürliche Stoffkreisläufe. Vor allem in tropischen Regionen sehen die Wissenschaftler dringenden Handlungsbedarf. Die Studie könne dabei helfen, Schutzmaßnahmen gezielter zu planen und gefährdete Flusssysteme besser zu überwachen.

(red)

Anzeige
Anzeige
Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Themen