Mikroplastik in Snacks für Kleinkinder gefunden

Eine neue Untersuchung zeigt hohe Mengen an Mikroplastik und Chemikalien in Babynahrung aus Quetschbeuteln.

21.05.2026 9:37
red04
© Adobe Stock
In den untersuchten Quetschbeutel-Proben wurden insgesamt mehr als 80 verschiedene Chemikalien identifiziert.

Eine aktuelle Untersuchung im Auftrag der Greenpeace International hat hohe Mengen an Mikroplastik in Babynahrung aus Kunststoff-Quetschbeuteln festgestellt. Betroffen sind laut der Analyse Produkte der Konzerne Nestlé und Danone. Die Ergebnisse werfen erneut Fragen zur Sicherheit von Kunststoffverpackungen bei Lebensmitteln für Babys und Kleinkinder auf.

Tausende Mikroplastik-Partikel pro Verpackung

Laut der Untersuchung eines unabhängigen Labors geben die Kunststoffbeutel winzige Plastikpartikel direkt an die Nahrung ab. In den getesteten Produkten von Danone wurden demnach bis zu 99 Mikroplastik-Partikel pro Gramm Nahrung nachgewiesen, bei Nestlé bis zu 54 Partikel pro Gramm. Umgerechnet entspricht das laut den Untersuchern mehr als 11.000 Mikroplastikteilchen pro Danone-Quetschbeutel und über 5.000 Partikeln pro Nestlé-Produkt. Teilweise seien bis zu 495 Mikroplastikteilchen pro Teelöffel Babynahrung festgestellt worden. Als mögliche Ursache gilt das verwendete Verpackungsmaterial Polyethylen. Dieses könne neben Mikroplastik auch chemische Stoffe an die Nahrung abgeben.

Problematisch für Babys und Kleinkinder

Experten sehen Mikroplastik und bestimmte Chemikalien insbesondere für Babys und Kleinkinder kritisch. In den ersten Lebensjahren befinden sich Hormonsystem, Stoffwechsel und Organe noch in der Entwicklung. Schadstoffe könnten deshalb stärkere Auswirkungen haben als bei Erwachsenen. In den untersuchten Proben wurden nach Angaben der Auftraggeber insgesamt mehr als 80 verschiedene Chemikalien identifiziert. In Produkten von Nestlé sei zudem eine potentiell hormonell wirksame Substanz festgestellt worden. Die gesundheitlichen Folgen von Mikroplastik werden international weiterhin erforscht. Studien deuten darauf hin, dass Mikroplastik Entzündungsreaktionen fördern, Zellen schädigen und möglicherweise hormonelle Prozesse beeinflussen könnte. Besonders bei kleinen Kindern gilt die Datenlage jedoch noch als unvollständig.

Kunststoffbeutel verdrängen Glasverpackungen

Trotz wachsender Diskussionen über Mikroplastik nimmt die Verbreitung von sogenannten „Quetschies“ weltweit weiter zu. Der Markt für die praktischen Kunststoffbeutel wächst laut Branchenzahlen jährlich um mehr als acht Prozent. Bereits heute machen Quetschbeutel rund ein Drittel des globalen Marktes für Babynahrung aus. Gleichzeitig werden klassische Glasverpackungen zunehmend verdrängt. Kritiker sehen darin ein Problem, da Glas als deutlich stabileres und schadstoffärmeres Verpackungsmaterial gilt.

Forderung nach Untersuchungen in Österreich

Da sich auch in österreichischen Supermärkten zahlreiche ähnliche Produkte finden, wird eine vergleichbare Belastung der Babynahrung hierzulande nicht ausgeschlossen. Greenpeace fordert daher umfassende Untersuchungen von Babynahrung in Kunststoffverpackungen durch das Gesundheitsministerium. Madeleine Drescher, Konsumexpertin bei Greenpeace, erklärte, Eltern würden häufig davon ausgehen, ihren Kindern mit Quetschbeuteln einen gesunden Snack zu geben. Die Untersuchung zeige jedoch, dass Mikroplastik und chemische Stoffe in den Produkten enthalten sein könnten. Solange mögliche Risiken nicht ausgeschlossen seien, dürfe Kunststoff bei Babynahrung nicht zum Standard werden.

(PA/red)

Anzeige
Anzeige
Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Weitere Themen