Wind- und Solarenergie stabilisieren Strompreise
Laut einer Analyse des Austrian Institute of Technology dämpft der Ausbau erneuerbarer Energien die Strompreise in Österreich messbar.
Der Ausbau von Photovoltaik- und Windkraftanlagen wirkt sich in Österreich dämpfend auf die Strompreise aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Austrian Institute of Technology (AIT), die für die Strombranche erstellt wurde. Demnach trägt zusätzlicher Ökostrom dazu bei, den Großhandelsstrompreis zu senken.
Preisdämpfung durch mehr erneuerbare Erzeugung
Laut der Studienautorin Tara Esterl reduziert jede zusätzlich erzeugte Terawattstunde (TWh) aus erneuerbaren Energiequellen den durchschnittlichen Großhandelsstrompreis um rund 2 Euro pro Megawattstunde (MWh). Die Berechnungen wurden im Rahmen eines Modells für den österreichischen Strommarkt vorgestellt. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien auch gesamtwirtschaftlich spürbare Effekte hätte. Demnach könnten in Österreich jährlich mehr als 100 Millionen Euro eingespart werden, wenn der Ausbau konsequenter vorangetrieben würde.
Abweichung von Ausbauzielen
Für die Jahre 2024 und 2025 zeigt die Analyse eine geringere Dynamik beim Zubau als im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) vorgesehen. Statt der geplanten 2,6 TWh wurden demnach lediglich 1,85 TWh an zusätzlicher Erzeugungskapazität erreicht. Auf Grundlage des AIT-Modells ergibt sich daraus eine Differenz von rund 110 Millionen Euro, die Verbraucher eingespart hätten, wäre das Ausbauziel vollständig erfüllt worden.
Unterschiedliche Wirkungen
Die Untersuchung weist zudem auf Unterschiede zwischen den Technologien hin. Windkraftanlagen haben demnach einen deutlich stärkeren Einfluss auf die Strompreisdämpfung als Photovoltaikanlagen. Laut den Berechnungen ist der Effekt von Windenergie nahezu doppelt so hoch.
Geringere Anfälligkeit für Gaspreisschwankungen
Neben dem direkten Preiseffekt spielt laut Studie auch die Systemwirkung eine Rolle. Ein höherer Anteil erneuerbarer Energien verringert die Abhängigkeit von Stromproduktion in Gaskraftwerken. Dadurch sinkt die Sensibilität des Strompreises gegenüber Schwankungen am Gasmarkt.
Beschleunigung beim Ausbau gefordert
Unterstützung für die Ergebnisse kommt aus der Energiebranche. Michael Strugl, Präsident des Branchenverbands Oesterreichs Energie und Vorstandsvorsitzender des Verbund, betont die wirtschaftlichen Vorteile eines rascheren Ausbaus. Verzögerungen führten seiner Einschätzung nach zu vermeidbaren Kosten. Strugl verwies zudem auf finanzielle Belastungen für die Branche, die sich nach seinen Angaben auf mehr als 500 Millionen Euro pro Jahr summieren. Diese Mittel stünden dann nicht für Investitionen zur Verfügung, teilweise seien Projekte bereits verschoben oder gestrichen worden. Auch beim ausstehenden Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz (EABG) sieht er Handlungsbedarf. Es sei widersprüchlich, dass ein Gesetz mit dem Ziel der Beschleunigung nur verzögert beschlossen werde.
(APA/red)