Strengere Regeln für Solarförderung
Die Förderung von Photovoltaikanlagen soll künftig an wesentlich strengere Voraussetzungen geknüpft werden.
Die österreichische Bundesregierung arbeitet an einer Neuausrichtung der Förderpolitik für Photovoltaikanlagen. Angesichts des starken Ausbaus der Solarenergie in den vergangenen Jahren sollen Förderungen künftig stärker an Anforderungen zur Netzstabilität, Speicherung und europäischen Wertschöpfung geknüpft werden. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) kündigte dazu am heutigen Dienstag mehrere Änderungen an, die in einer Novelle des Erneuerbaren-Ausbau-Gesetzes (EAG) verankert werden sollen. Die geplante Gesetzesänderung soll in der kommenden Woche den Koalitionspartnern SPÖ und NEOS vorgelegt werden.
Neue „Made-in-Europe“-Vorgabe
Ein zentraler Punkt der Reform ist die geplante Einführung einer „Made-in-Europe“-Pflicht für Wechselrichter. Damit soll der bisherige Förderbonus für europäische Komponenten ersetzt werden. Hattmannsdorfer begründete den Schritt mit dem Ziel, die europäische Produktion zu stärken und die heimische Wertschöpfung zu erhöhen. Darüber hinaus verwies er auf die Bedeutung technologischer Unabhängigkeit und der Cybersicherheit. Mit Fronius verfügt Österreich über einen bedeutenden Hersteller von Wechselrichtern, der zuletzt zunehmend im Wettbewerb mit chinesischen Anbietern wie Huawei stand.
Förderungen an Batteriespeicher gekoppelt
Ab dem Jahr 2027 sollen Photovoltaikanlagen grundsätzlich nur noch dann gefördert werden, wenn sie gemeinsam mit einem Batteriespeicher errichtet werden. Damit soll erreicht werden, dass mehr Solarstrom gespeichert und zeitversetzt genutzt werden kann. Zusätzlich plant das Wirtschaftsministerium eine gezielte Förderung sogenannter systemdienlicher Speicher. Diese soll auch dann möglich sein, wenn kein neuer PV-Ausbau erfolgt. Voraussetzung dafür ist die Einbindung des Speichers in ein Energiemanagementsystem. Darüber hinaus muss entweder die netzwirksame Leistung auf 50 Prozent der Modulleistung der Photovoltaikanlage begrenzt oder ein Vertrag mit einem dynamischen Einspeisetarif vorgelegt werden.
Reaktion auf Photovoltaik-Boom
Die geplanten Maßnahmen stehen im Zusammenhang mit dem starken Ausbau der Photovoltaik in Österreich seit der Energiekrise 2022. Während die Regierung den weiteren Ausbau von Sonnenstromanlagen nicht bremsen will, soll die Einspeisung künftig stärker an die Bedürfnisse des Stromsystems angepasst werden. Durch zusätzliche Speicherkapazitäten soll verhindert werden, dass große Mengen Solarstrom gleichzeitig ins Netz gelangen und dadurch Preisschwankungen verstärken. Diesen Ansatz bezeichnete Hattmannsdorfer bei einem gemeinsamen Pressegespräch mit Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) als „Systemdienlichkeit“.
Negative Strompreise belasten Fördersystem
Ein weiterer Auslöser für die geplanten Änderungen sind die steigenden Kosten durch negative Strompreise. Die Ökostrom-Abwicklungsstelle OeMAG zahlt Betreibern von Photovoltaikanlagen auch dann eine Einspeisevergütung, wenn die Strompreise an der Strombörse unter null liegen. Nach Angaben des Wirtschaftsministers entstanden dadurch im Jahr 2025 Kosten von rund 15 Millionen Euro. Für das laufende Jahr werden bereits 60 Millionen Euro prognostiziert. Allein an den ersten Mai-Wochenenden seien Kosten von etwa fünf Millionen Euro angefallen.
Anpassungen beim OeMAG-Marktpreis möglich
Auch beim von der OeMAG ausbezahlten Marktpreis könnten weitere Änderungen folgen. Staatssekretärin Zehetner erklärte, dass alle Bestandteile des Systems überprüft werden müssten, die Fehlanreize schaffen könnten. Das Ziel sei, die Förderung in Zeiten negativer Strompreise neu auszurichten. Bereits im Jahr 2023 wurde die Berechnung des Marktpreises angepasst. Seither werden in Monaten mit hoher Photovoltaik-Einspeisung nur noch 60 Prozent des früheren Wertes ausbezahlt.
Netztarife sollen Flexibilität fördern
Veränderungen sind auch bei den Netztarifen vorgesehen. Ab 2027 sollen diese stärker darauf ausgerichtet werden, Stromverbrauch in Zeiten hoher Solarstromproduktion attraktiver zu machen. Einen ersten Schritt in diese Richtung stellt der seit 1. April geltende „Sommer-Nieder-Arbeitspreis“ (SNAP) dar. Dabei sind die Netzentgelte bis Ende September täglich zwischen 10 und 16 Uhr um 20 Prozent reduziert. Die konkrete Ausgestaltung der künftigen Netztarife wird von der Regulierungsbehörde E-Control festgelegt. Nach Angaben Zehetners soll die entsprechende Verordnung noch vor dem Sommer in Begutachtung gehen. Ziel sei es, möglichst große Flexibilität im Stromsystem zu schaffen und digitale Möglichkeiten stärker zu nutzen.
(APA/red)