Proteste gegen illegale Müllimporte in Kroatien

Nach dem Fund großer Mengen illegal abgelagerter Abfälle wächst in Kroatien der Druck auf die Regierung, die Deponien zu sanieren.

07.09.2026 15:37
red04
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Die Demonstranten verlangen eine Sanierung der betroffenen Standorte.

In Kroatien wächst der Protest gegen eine illegale Mülldeponie nahe Gospić. Dort soll über Jahre Abfall aus dem Ausland abgelagert worden sein. Die Rede ist unter anderem von Lieferungen aus Italien, Deutschland und Slowenien. Umweltaktivisten befürchten eine Belastung von Boden und Grundwasser. In Zagreb gingen nach Angaben des Nachrichtenportals Index.hr Zehntausende Menschen auf die Straße. Die Demonstration richtete sich auch gegen die Regierung von Ministerpräsident Andrej Plenković. Ihr werfen die Teilnehmer vor, bei der Beseitigung der Deponie nicht ausreichend zu handeln. Auf den Transparenten bei der Kundgebung ging es vor allem um die möglichen Folgen für die Umwelt. Nach Ansicht der Demonstranten haben die Behörden zu lange zugesehen, während der Müll bei Gospić liegen blieb.

Forderungen nach einem Importstopp

Gospić liegt rund 25 Kilometer von der dalmatinischen Adriaküste entfernt, im Landesinneren zwischen Rijeka und Split. Für die Demonstration waren Menschen aus verschiedenen Teilen Kroatiens nach Zagreb gereist. Aufgerufen hatte unter anderem die Bürgerinitiative „Gospić je naš dom“ („Gospić ist unsere Heimat“). Die Forderungen gehen über den konkreten Fall hinaus. Die Demonstranten verlangen, dass sämtliche illegalen Deponien in Kroatien saniert werden. Außerdem soll die Einfuhr von Müll vorübergehend generell gestoppt werden. Gefordert wird auch ein neuer Plan für die Abfallwirtschaft des Landes.

13 Festnahmen im Februar 2025

Die Ermittlungen zu den Müllimporten laufen seit 2025. Am 13. Februar ließ die kroatische Staatsanwaltschaft 13 Personen festnehmen. Europol unterstützte den Einsatz. Nach Angaben der europäischen Polizeibehörde wurde der größte Teil des Mülls über verschiedene Unternehmen aus Italien nach Kroatien gebracht. Weitere Lieferungen kamen demnach aus Slowenien und Deutschland. Unter den Abfällen befanden sich Plastik sowie gefährliche Abfälle aus Krankenhäusern. Den Tatverdächtigen wird vorgeworfen, mit den Geschäften mindestens vier Millionen Euro verdient zu haben. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Mehr als 35.000 Tonnen Abfall

Europol geht davon aus, dass mindestens 35.000 Tonnen problematischer Abfälle illegal auf mehrere Deponien in Kroatien verteilt wurden. Eine dieser Stellen liegt bei Gospić, in der Nähe einer ehemaligen Industrieanlage. Die Angaben zur Menge unterscheiden sich allerdings. Kroatische Umweltaktivisten sprechen davon, dass allein bei Gospić rund 37.000 Tonnen Müll abgelagert worden seien. Nach den bisherigen Ermittlungen könnte der Abfall gezielt als recyclingfähiges Material deklariert worden sein. Europol zufolge wurden möglicherweise Frachtpapiere und andere Dokumente gefälscht, um kroatische Umweltvorschriften zu umgehen. Plastikmüll soll demnach als für das Recycling geeignet ausgewiesen worden sein, obwohl dies tatsächlich nicht der Fall gewesen sein soll.

Was mit dem Müll geschieht

Neben der strafrechtlichen Aufarbeitung stellt sich damit auch die Frage, wie mit dem bereits abgelagerten Müll umgegangen werden soll. Die Demonstranten verlangen eine Sanierung der betroffenen Standorte. Bei Gospić geht es dabei auch um die Sorge vor möglichen Schäden für das Grundwasser. Wie groß die tatsächliche Umweltbelastung ist und welche Maßnahmen für die Beseitigung des Abfalls notwendig sind, müssen die laufenden Untersuchungen zeigen. Auch die strafrechtliche Verantwortung der Beschuldigten ist noch nicht abschließend geklärt.

(APA/red)

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