Massive Dürre setzt Kärnten unter Druck

Ohne baldige Regenfälle drohen in der Landwirtschaft erhebliche Ausfälle und eine angespannte Futterversorgung.

06.05.2026 14:13
red04
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Mais keimt zwar teilweise, vertrocknet jedoch aufgrund der fehlenden Bodenfeuchtigkeit.

Die anhaltende Trockenperiode hat in Kärnten spürbare Folgen für Landwirtschaft und Natur. Laut Angaben der Landwirtschaftskammer Kärnten wurde im April regional ein Niederschlagsdefizit von bis zu 85 Prozent verzeichnet. Sollte es in den kommenden zehn Tagen nicht zu ergiebigen Regenfällen von bis zu 50 Litern pro Quadratmeter kommen, werden bereits jetzt Ernteausfälle zwischen 20 und 70 Prozent erwartet. Die Situation wird von Vertretern der Landwirtschaft als außergewöhnlich früh und intensiv beschrieben. Landwirtschaftskammerpräsident Siegfried Huber verwies darauf, dass zwar Trockenperioden im Spätsommer nicht ungewöhnlich seien, eine derart ausgeprägte Dürre bereits im Frühjahr jedoch neu sei. Auch langjährige Berufserfahrung in der Landwirtschaft lasse keinen Vergleich zu früheren Jahren zu.

Auswirkungen auf Tierhaltung

Besonders stark betroffen ist die Grünlandwirtschaft. In einzelnen Regionen fiel der erste Grasschnitt vollständig aus, andernorts werden Ertragsrückgänge von 50 bis 80 Prozent gemeldet. Die Folge ist eine zunehmend angespannte Futterversorgung für Nutztierbetriebe. Laut Landwirtschaftskammer drohen verstärkt sogenannte Notverkäufe von Rindern, da ausreichendes Futter fehlt. Zusätzlich verschärft sich die Lage dadurch, dass auch der zweite Grasschnitt gefährdet ist, falls in den kommenden Wochen kein Regen fällt. Auch die Feldfrüchte leiden unter der Trockenheit. Mais keimt zwar teilweise, vertrocknet jedoch aufgrund der fehlenden Bodenfeuchtigkeit. Bereits ausgebrachter Mineraldünger kann seine Wirkung nicht entfalten. In einzelnen Fällen müssen Aussaaten verschoben werden.

Wassermangel und technische Maßnahmen

Die Trockenheit wirkt sich auch auf die Wasserversorgung aus. In Teilen des Lavanttals versiegen bereits Quellen, auf manchen Wiesen ist keine natürliche Wasserversorgung mehr vorhanden. Die Feuerwehr übernimmt stellenweise den Transport von Wasser zur Versorgung von Nutztieren. Auch größere Gewässer zeigen deutliche Veränderungen. Im Bleistätter Moor am Ossiacher See liegt der Wasserstand rund 50 Zentimeter unter dem üblichen Niveau.

Forderungen nach Anpassung und Bewässerung

Als kurzfristige Maßnahme fordert die Landwirtschaftskammer Kärnten die Freigabe von rund 9.000 Hektar Biodiversitätsflächen, die derzeit nur eingeschränkt bewirtschaftet werden dürfen. Ziel sei es, zusätzliche Futterflächen zu nutzen. Gespräche auf politischer Ebene laufen bereits, da es sich um Vorgaben auf EU-Ebene handelt. Landwirtschaftskammerpräsident Huber sieht langfristig strukturelle Anpassungen als notwendig an. Angesichts zunehmender klimatischer Extreme werde der Ausbau von Bewässerungssystemen unausweichlich. Auch die geplante Wasserinfrastruktur in Mittelkärnten könne als Ausgangspunkt für weitergehende Bewässerungsstrategien dienen. Vor einer Umsetzung seien jedoch technische Studien erforderlich.

Belastung des Waldes 

Neben der Landwirtschaft ist auch der Wald stark betroffen. Der bereits durch Borkenkäfer geschwächte Bestand steht unter zusätzlichem Trockenstress. Gleichzeitig befindet sich der Wald in einem Samenjahr, wodurch die Bäume zusätzlich belastet sind. Die Kombination aus Trockenheit und Vegetationsstress erhöht zudem die Waldbrandgefahr deutlich. Auch im Bereich der Almen zeigen sich Auswirkungen: Geringe Schneefälle im Winter und fehlender Niederschlag im Frühjahr führen dazu, dass Wiesen und Weiden teilweise braun bleiben.

Angespannte Lage auch in Niederösterreich

Auch in Niederösterreich ist die Landwirtschaft stark von der Trockenheit betroffen. Landwirtschaftskammerpräsident Johannes Schmuckenschlager sprach von einer der angespanntesten Frühjahrsentwicklungen der vergangenen Jahre. Flächendeckend fehle es an Niederschlägen, während gleichzeitig Temperaturen von bis zu 30 Grad den Trockenstress verstärken. Die Pflanzenentwicklung ist laut Landwirtschaftskammer massiv beeinträchtigt. Getreide befindet sich in einer sensiblen Wachstumsphase, in der jeder weitere trockene Tag Ertrag und Qualität reduziert. Auch frisch angebaute Kulturen wie Mais leiden unter fehlender Bodenfeuchte. Beim Grünland wurden bereits beim ersten Schnitt Ertragseinbußen festgestellt. Der zweite Aufwuchs ist vielerorts gefährdet. Auf besonders exponierten Flächen drohen dauerhafte Schäden bis hin zum Verlust der Grasnarbe.

Wirtschaftlicher Druck auf Betriebe steigt

Neben den agrarischen Folgen steigt auch der wirtschaftliche Druck auf landwirtschaftliche Betriebe. Die Kombination aus Trockenheit, hohen Produktionskosten und unsicheren Erträgen führt laut Landwirtschaftskammer dazu, dass viele Betriebe an ihre Belastungsgrenze kommen. Gefordert werden daher zusätzliche Maßnahmen zur finanziellen Entlastung sowie die Weiterentwicklung von Absicherungssystemen und Bewässerungsstrategien. Auch in Niederösterreich wird die temporäre Nutzung von Biodiversitätsflächen zur Verbesserung der Futterversorgung als kurzfristige Option diskutiert.

Klimatische Entwicklung als langfristige Herausforderung

Vertreter der Landwirtschaft sehen die aktuelle Situation als Teil einer längerfristigen klimatischen Entwicklung. Die zunehmende Häufung von Trockenperioden und Extremwetterereignissen stelle die Landwirtschaft vor strukturelle Anpassungsfragen. Neben kurzfristigen Maßnahmen rückt daher vor allem die Frage nach langfristiger Wasserversorgung, technischer Infrastruktur und Anpassung der Bewirtschaftungssysteme in den Vordergrund.

(APA/red)

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