Naharbeit und Licht: Neue Hinweise zur Kurzsichtigkeit

Für Kurzsichtigkeit könnte nicht nur die Bildschirmzeit entscheidend sein, sondern auch die Reaktion des Auges beim Nahsehen.

01.09.2026 16:37
red04
© Adobe Stock
Regelmäßige Pausen bei längerer Naharbeit und viel Zeit im Freien gelten weiterhin als sinnvolle Maßnahmen.

Kurzsichtigkeit nimmt weltweit zu, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Viel Naharbeit und wenig Zeit im Freien gelten als mögliche Einflussfaktoren. Eine neue Studie in Cell Reports hat nun untersucht, wie sich die Augen beim Blick auf nahe Objekte verhalten. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede: Bei kurzsichtigen Menschen fiel die sogenannte Nahreaktion stärker aus. Die Pupillen verengten sich stärker, auch die Augenbewegungen beim Fokussieren auf nahe Objekte waren ausgeprägter.

Was beim Nahsehen passiert

Beim Lesen, Schreiben oder Blick auf ein Smartphone muss sich das Auge auf die kurze Entfernung einstellen. Die Linse verändert ihre Form, die Augen richten sich stärker aufeinander aus und die Pupillen werden kleiner. Nach den Ergebnissen der Studie unterscheiden sich dabei auch die Signale, die von der Netzhaut verarbeitet werden. Die Forscher vermuten, dass die stärkere Nahreaktion bei kurzsichtigen Menschen damit zusammenhängen könnte. Ob sie allerdings zur Entstehung der Kurzsichtigkeit beiträgt oder eine Folge davon ist, lässt sich aus der Studie nicht beantworten.

Kein Beleg gegen Smartphones

Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Smartphones oder Computer unmittelbar Kurzsichtigkeit verursachen. Dafür war die Untersuchung nicht ausgelegt. Interessant ist vielmehr, was während längerer Naharbeit im Auge passiert. Wer über längere Zeit liest oder auf einen Bildschirm schaut, hält den Blick auf eine kurze Entfernung gerichtet. Die Augen arbeiten dabei dauerhaft in einer anderen Weise als beim Blick in die Ferne.

Die Rolle des Lichts

Seit Längerem gibt es Hinweise darauf, dass Kinder, die viel Zeit im Freien verbringen, seltener kurzsichtig werden. Eine mögliche Erklärung ist das helle Tageslicht. Draußen richten sich die Augen außerdem häufiger auf weit entfernte Dinge und müssen weniger lange auf kurze Distanzen scharfstellen. Die neue Studie passt zu diesem Bild. Sie deutet darauf hin, dass nicht nur die Menge der Naharbeit entscheidend sein könnte, sondern auch die Bedingungen, unter denen sie stattfindet.

Was das für den Alltag bedeutet

Eine neue Empfehlung lässt sich daraus noch nicht ableiten. Regelmäßige Pausen bei längerer Naharbeit und viel Zeit im Freien gelten weiterhin als sinnvolle Maßnahmen, vor allem bei Kindern. Die Studie liefert vor allem einen weiteren Hinweis darauf, dass die Entstehung von Kurzsichtigkeit komplizierter ist als die einfache Frage nach der Bildschirmzeit. Welche Rolle die beobachteten Veränderungen tatsächlich spielen, müssen weitere Untersuchungen zeigen.

(red)

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