Trockener Juli ließ Stromimporte steigen

Die Folgen des heißen und trockenen Sommers zeigen sich zunehmend auch in Österreichs Stromerzeugung und Strombilanz.

25.08.2026 14:53
red04
© Adobe Stock
Die Wasserkrafterzeug lag im Juli 2026 um 46 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Der heiße und trockene Juli hat Österreichs Stromerzeugung spürbar verändert. Vor allem die Wasserkraft lieferte deutlich weniger Strom als im Vorjahr. Gleichzeitig musste Österreich mehr Strom aus dem Ausland beziehen. Das geht aus aktuellen Zahlen des Stromnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG) hervor.

Wasserkraft stark zurückgegangen

Im Juli lag der Stromverbrauch bei 5.078 Gigawattstunden (GWh). Rund 83 Prozent davon wurden durch Wasserkraft, Windenergie und Photovoltaik gedeckt. Im Juli 2025 war der Verbrauch mit 5.024 GWh noch vollständig durch erneuerbare Quellen gedeckt worden. Besonders stark fiel die Wasserkrafterzeugung zurück. Sie lag um 46 Prozent unter dem Vorjahreswert. Bei der Laufwasserkraft wurden laut APG im gesamten Juli täglich saisonale Rekord-Minima registriert. Ihr Anteil an der erneuerbaren Stromerzeugung sank von knapp 70 Prozent auf rund 50 Prozent. Auch die Windkraft lieferte weniger Strom als im Vorjahr, die Erzeugung ging um 6,5 Prozent zurück. Bei der Photovoltaik sorgten die vielen Sonnenstunden dagegen für einen deutlichen Zuwachs. Ihre Erzeugung stieg um gut 54 Prozent. Damit erhöhte sich ihr Anteil an der erneuerbaren Stromproduktion von rund 13 auf knapp 28 Prozent.

Mehr Stromimporte

Mit der geringeren heimischen Erzeugung stieg auch der Stromimport. Im Juli lag der Importsaldo bei 751 GWh. Nur an vier Tagen war Österreich bilanziell Stromexporteur. Ein Jahr zuvor war das noch an 22 Tagen der Fall gewesen. Strom wird vor allem in den Abend- und Nachtstunden aus dem europäischen Markt bezogen. Gerade dann fällt die Photovoltaik als Energiequelle weg. Der grenzüberschreitende Stromhandel hilft, diese Schwankungen auszugleichen.

Netze und Speicher gefragt

Die Entwicklung zeigt auch, welche Anforderungen mit einem steigenden Anteil wetterabhängiger Stromerzeugung verbunden sind. Wind und Sonne liefern nicht konstant Strom, während sich der Verbrauch nicht im gleichen Maß verändert. Gleichzeitig muss der erzeugte Strom über das Netz dorthin gelangen, wo er gebraucht wird. „Erneuerbare Energien sind das Fundament unseres künftigen Energiesystems“, sagte APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner. Für die weitere Energiewende brauche es neben dem Ausbau von Windkraft und Photovoltaik auch leistungsfähige Netze und ausreichende Speicherkapazitäten.

Eingriffe ins Stromnetz

Um Engpässe zu vermeiden, musste die APG im Juli 19 Mal in den geplanten Kraftwerkseinsatz eingreifen. Beim sogenannten Redispatching werden Kraftwerke kurzfristig anders eingesetzt, damit Leitungen nicht überlastet werden. Die Kosten dafür lagen bei 9,3 Millionen Euro und damit nur knapp unter dem Vorjahreswert von 9,5 Millionen Euro. Im Juli 2025 waren 16 Eingriffe notwendig gewesen. Zusätzlich wurden heuer im Sommer wieder Gaskraftwerke zur Abdeckung von Verbrauchsspitzen eingesetzt. Der Juli war damit ein Monat, in dem sich die Abhängigkeit der Stromerzeugung vom Wetter besonders deutlich bemerkbar machte: Weniger Wasser und Wind standen deutlich mehr Solarstrom gegenüber. Den Ausgleich übernahmen unter anderem Stromimporte, das bestehende Netz und Eingriffe in die Kraftwerkseinsätze.

(APA/red)

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