Uralter Kohlenstoff gelangt ins arktische Meer
Durch die Erosion arktischer Küsten gelangt alter Kohlenstoff ins Meer, wo er zu großen Teilen im Sediment bleibt.
Durch das Auftauen des Permafrosts gelangt immer mehr organisches Material aus den arktischen Böden ins Meer. Wie viel davon dort abgebaut wird, ist für den Kohlenstoffkreislauf der Arktis eine wichtige Frage. Eine neue Untersuchung vor der kanadischen Herschel Island kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Der größte Teil des alten Kohlenstoffs bleibt zunächst im Meeresboden.
Sedimente vor Herschel Island
Das Forschungsteam des Alfred-Wegener-Instituts und weiterer Einrichtungen untersuchte Sedimentproben vor Qikiqtaruk, wie Herschel Island auf Inuvialuktun heißt. Die Insel liegt vor der Küste des kanadischen Yukon. Dort trägt die Küstenerosion große Mengen Material aus dem Permafrost ins Meer. In den Proben bestimmten die Forscher unter anderem das Alter und die Herkunft des Kohlenstoffs. Dazu nutzten sie verschiedene Kohlenstoffisotope. Die Messungen zeigen, dass der Kohlenstoff im Sediment größtenteils aus dem alten Permafrost stammt.
Nur ein kleiner Teil wird abgebaut
Von diesem Kohlenstoff wurde in den untersuchten Sedimenten weniger als zehn Prozent durch Mikroorganismen abgebaut. Der weitaus größere Anteil blieb im Meeresboden erhalten. Auffällig ist dabei, dass die Mikroorganismen vor allem jüngeren Kohlenstoff aus dem Meer nutzten. Der mehrere Jahrtausende alte Kohlenstoff aus dem Permafrost wurde dagegen nur in geringem Umfang umgesetzt. Das bedeutet nicht, dass der Kohlenstoff aus dem Permafrost grundsätzlich dauerhaft gebunden bleibt. Ein Teil kann bereits auf dem Weg vom Land ins Meer abgebaut worden sein. Außerdem stammt die Untersuchung aus einem begrenzten Küstengebiet.
1.300 Gigatonnen im Permafrost
Im arktischen Permafrost sind große Mengen organischen Kohlenstoffs gespeichert. Die Studie nennt rund 1.300 Gigatonnen. Mit dem Auftauen wird ein Teil dieses Materials wieder zugänglich. Mikroorganismen können es abbauen und dabei unter anderem Kohlendioxid freisetzen. Wie groß dieser Anteil insgesamt ist, lässt sich aus der Untersuchung vor Herschel Island nicht ableiten. Dafür sind weitere Messungen an anderen arktischen Küsten nötig. Die Studie liefert aber einen wichtigen Hinweis: Nicht der gesamte alte Kohlenstoff, der durch die Küstenerosion ins Meer gelangt, wird dort kurzfristig abgebaut. Ein erheblicher Teil landet zunächst im Sediment und bleibt dort gespeichert.
(red)